Predigt über Matthäus 28, 16-20 am  6. Sonntag nach Trinitatis, dem 19. Juli  2009 in Dahlheim und Nieste

Predigttext: Die elf Jünger gingen nach Galiläa zu  dem Berg, wohin sie Jesus bestellt hatte. Als sie ihn sahen, fielen sie auf die Knie. Sie hatten aber Zweifel. Jesus kam dazu und sprach zu ihnen: „Alle Macht im Himmel und auf der Erde ist mir gegeben worden. Geht nun los und macht alle Völker zu Jüngern. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Lehrt sie alles einzuhalten, was ich euch geboten habe. Und achtet darauf: Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Weltenzeit.

Liebe Gemeinde!

 „Jetzt ist aber Matthäi am letzten!“ Das hört sich irgendwie bedrohlich an. Was kann daran so schrecklich sein? Vielleicht ist das Ende der Weltenzeit, welches angesprochen wird. Wir wissen, dass außer Gottes Ewigkeit alles seine Begrenztheit und sein Ende hat. Über den Tod wird nur sehr ungern gesprochen. Nach der Beerdigung wendet man sich beim Leichenschmaus schnell den angenehmeren Dingen des Lebens zu. Ende der Weltenzeit: man erschaudert beim Thema Klimawandel, um nach der Ampel um so kräftiger auf die Ampel zu drücken. Wie kann man nur so viel Atommüll mit der Halbwertzeit von 25.000 Jahren produzieren, fragt man sich, aber wehe der Strom kommt nicht mehr aus der Steckdose. Lieber verdrängen wir die Themen Lebensende und Ende der Weltenzeit. Erleichtert atmen wir auf, dass sich nun wieder Licht am Ende des Tunnels der Wirtschaftskrise aufzuleuchten scheint. Die vier apokalyptischen Reiter, Krieg, Gewalt, Teuerung und Seuchen, scheinen an uns vorbei zu reiten. Mit der Schweinegrippe ist es wohl doch nicht so schlimm! 

Wir scheuen uns vor der Auseinandersetzung mit dem Ende. Dabei brauchen wir uns vor dem Ende nicht zu fürchten!  Jetzt ist: „Matthäi am letzten“ aber im positiven Sinne. „Matthäi am letzten“ sind die letzten Worte Jesu im Matthäusevangelium, sein Taufbefehl und seine Verheißung, immer bei uns zu sein.  „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Weltenzeit.“  - „Ich bin mit euch!“ So begegnet uns unser Gott! Im Alten Testament lesen wir von der Begegnung Gottes mit Mose am brennenden Dornbusch. Als nun Mose nach seiner Beauftragung fragt, was er denn sagen solle, wer ihn denn geschickt habe, antwortet Gott: „Ich bin für euch da!“ 

 „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Weltenzeit.“  Aber stimmt denn das? Ist Jesus denn wirklich da? Als Tage nach seinem Tod Frauen von seiner Auferstehung berichten, stoßen sie auf Zweifel. Als Jesus in Galiläa den elf Jüngern zum wiederholten Male erscheint, da zweifeln sie. Der Zweifel an Ostern, der Zweifel an die Gegenwart des auferstandenen Herrn ist sicherlich ein Problem, mit welchen die Christenheit von Anfang an zu kämpfen hatte. Wir können nicht die Auferstehung Jesu von den Toten beweisen! Wir können nicht seine Gegenwart naturwissenschaftlich belegen. „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann.“ So wie der auferstandene Jesus Christus dort in Galiläa die Zweifel seiner Jünger erst noch überwinden muss, so müssen auch unsere Zweifel überwunden werden. Wir können weder uns die Auferstehung und die Gegenwart Jesu einreden noch sie beweisen. Deshalb hilft uns der Geist Gottes. Gottes Geist weckt den Glauben.

 

Es ist bemerkenswert, dass alle Jünger den Auftrag bekommen, in alle Welt zu gehen, allen Völker das Evangelium zu bringen, sie zu taufen und in der Lehre Jesu zu unterweisen. Alle Jünger, die Starken und auch die Schwachen, sogar auch die Zweifler, bekommen diesen Auftrag.

Der Zweifel gehört zum Glauben dazu. „Es kann niemand das Himmelreich gelangen ohne die Hölle des Zweifels durchschritten zu haben.“, soll Jesus selbst nach dem etwas mysteriösen Thomasevangelium gesagt haben. So wie es in der Liebesbeziehung eine Dynamik von Höhen und Tiefen geben muss, so gibt es sie auch in einer Glaubensbeziehung zu Gott. Oft genug ist unser Glaube schwach. Unser Glaube ist längst noch nicht ausgewachsen. Martin Luther spricht vom „Wachsen auf Jesus Christus“ hin. „Ein Christenmensch ist im Werden nicht im Sein!“ Erst am Jüngsten Tag werden wir vollkommene neue Christenmenschen sein. Solange stehen wir in der Spannung zwischen Glauben und Zweifeln. Solange brauchen wir die Kraft des Heiligen Geistes, weil wir eben nicht aus eigener Kraft wachsen und zu Jesus Christus, unserem Herrn kommen können! Die Kraft Gottes ist stärker als unser  Zweifel. Wie diese zweifelnden Jünger will Gott auch uns als Werkzeuge haben, um sein Reich weiter aufzubauen. Gott braucht uns eigentlich gar nicht, aber er hat sich einmal so entschieden, dass er mit uns einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen will.

Die Jünger haben den Ruf Jesu gehört. Sie sind in alle Welt gegangen. Durch schwache Menschen und durch viele einfache Christen ist das Evangelium weitergetragen worden. Und so will Jesus dich und mich als einfache Menschen haben, die im Alltag das Evangelium weitertragen. Im Alltag sollen wir die Liebe Gottes weiterbringen. Im Alltag soll unsere Hoffnung ein Beispiel sein. Im Alltag sollen wir es zeigen, wie uns selbst der Glaube bewegt. So und nur so wird das Evangelium bei uns wachsen. Vor alledem aber müssen wir selbst zu Christus hin wachsen wollen.

„Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!“  So lautet der Taufbefehl Jesu. Die Taufe steht am Anfang eines jedem Christenleben. Meistens werden kleine Kinder getauft. Die Taufe ist zunächst das Pflanzen und Begießen der Glaubenssaat. Die junge Pflanze des Glaubens braucht nach der Taufe besonders viel Pflege. Deshalb ist ja die christliche Erziehung so wichtig. Was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr! Es wäre schlimm, wenn bei unseren kleinen Täuflingen die junge Pflanze des Glaubens ohne Pflege verkümmert oder vertrocknet würde. Lehrt sie alles einzuhalten, was ich euch geboten habe. Die junge Pflanze des Glaubens will und muss gut gepflegt sein.

Wie der Landwirt sein Feld sorgfältig pflegen und bearbeiten muss, aber das Wachsen allein von Gott her kommt, so ist auch in Glaubensdingen unser Mitwirken gefragt: Gottes lässt es wachsen, aber auch wir müssen unseren Teil an Pflege dazutun. Denn was wir heute an Defiziten und Wildwuchs beklagen, das hat sicherlich auch mit der fehlenden Mitarbeit im Reich Gottes zu tun.

Wie ein Landwirt wohl kaum seine schwere Arbeit beginnen würde, ohne auf eine Ernte zu hoffen, so hoffen wir Christen darauf, dass unser Tun im Reich Gottes  sinnvoll ist. Anders als Landwirte können wir die Früchte unserer Mitarbeit am Reich Gottes nicht sehen. Aber wir können darauf vertrauen und hoffen, dass es stimmt, was Jesus uns als Matthäi am letzten auf dem Weg mitgibt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.  Kanzelsegen! Amen

GANG DES GOTTESDIENSTES IN DAHLHEIM UND NIESTE AM 19. JULI 2009

ORGELVORSPIEL

WOCHENSPRUCH:
So spricht der Herr, der dich geschaffen hat:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Jesaja 43,1
Dieser Wochenspruch ist der  alttestamentlichen Lesung entnommen., Unser Jesajatext sagt deutlich, dass Tod und Leben eng beieinander stehen: Von Wasserströmen und Feuerflammen ist die Rede. Das Evangelium verspricht uns, dass uns der auferstandene Herr und Heiland, der Hirte unseres Lebens nicht allein lässt. Ihm ist alle Macht gegeben!

EG 506, 1-6: Wenn ich o Schöpfer, deine Macht

67. PSALM EG-NR.: 730

EHR` SEI DEM VATER ..
KYRIE
EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE
ALLEIN GOTT IN DER HÖH´ SEI EHR..

SEGENSGRUSS

TAGESGEBET
Lieber himmlischer Vater, du hast uns durch die Taufe neu geschaffen zu Kindern des Lichtes:
Erhalte uns im Glanz deiner Wahrheit und verdränge alles Dunkel. Das bitten wir durch Jesus Christus,
dem Licht der Welt.

ALTTESTAMENTLICHE LESUNG: Jesaja 43,1-7
HALLELUJA

EG 200, 1+2+5: Ich bin getauft

EVANGELIUM: Matthäus 28, 16-20

GLAUBENSBEKENNTIS

EG 116, 1+2+5: Er ist erstanden

PREDIGT über Matthäus 28, 16-20

EG 115, 1+2+5: Jesus lebt, mit ihm auch ich
(WÄHRENDDESSEN EINSAMMELN DES KLINGELBEUTELS)

FÜRBITTENGEBET
Wir sind getauft und berufen zu einem neuen Leben.
Wir bitten dich, Gott, aufs neue um deinen Geist,den Geist der Hoffnung und der Geduld,
der Liebe und der Besonnenheit.
Wir beten für unsere Kinder, daß Gott ihnen helfe, Menschen zu werden nach seinem Bilde, Menschen, die andere lieben können wie sich selbst.
Wir beten für die Leidenden und Alleingelassenen,
die von Unrecht, Gewalt und Krieg Bedrohten in aller Welt.
Wir gedenken der Menschen, die der Tod uns genommen hat.
Wir vertrauen sie Gott an - dankbar für alles Gute, das sie uns getan haben.
Du hast Erbarmen mit uns, Herr, unser Gott. Dein Sohn ist unser Licht im Dunkel der Welt, ein Licht der Hoffnung für alle Menschen. An ihn halten wir uns, auf ihn verlassen wir uns, jetzt und in Zukunft.

Stille Zeit
(Bitte bereits zur Stillen Zeit läuten!)

VATERUNSER

EG 503, 13+14: aus Geh’ aus mein Herz

ABKÜNDIGUNGEN

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Ekhard Brandes

 

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