Predigt über am  21. Sonntag nach Trinitatis, dem  1. November 2009 über Matthäus 5, 1-10 (Evangelium vom Reformationsfest)

Predigttext: Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger kamen zu ihm. Er begann zu sprechen und lehrte sie in folgender Weise:

Glückselig sollen die Armen im Geist sein, weil ihnen das Himmelreich gehört.

Glückselig sollen die Trauernden  sein, weil sie Hilfe empfangen werden.

Glückselig sollen die bescheidenen Menschen sein, weil sie die Erde erben werden.

Glückselig sollen die nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden sein, weil sie satt werden sollen.

Glückselig sollen die barmherzigen Menschen sein, weil sie selbst Barmherzigkeit erfahren werden.

Glückselig sollen die im Herzen reinen Menschen  sein, weil sie Gott schauen werden.

Glückselig sollen die Friedensstifter sein, weil als Kinder Gottes anerkannt werden sollen.

Glückselig sollen die Menschen sein, die wegen der Gerechtigkeit verfolgt werden, weil ihnen das Himmelreich gehört.

Liebe Gemeinde!

In einer früheren Gemeinde habe ich eine Neuerung eingeführt, die bis heute Bestand hat. In der großen Kirche der Kernstadt kamen nur 30 bis 40 Menschen zu Christi Himmelfahrt in den Gottesdienst. Ganz verloren saßen sie in der großen Kirche. Die Neuerung war: Laßt uns doch mitten im Wald in einer Kirchenruine den Gottesdienst feiern. Die Skepsis war groß! Ob dahin überhaupt jemand kommen würde?  Immerhin musste man zum Waldparkplatz etliche Kilometer fahren und dann noch etwa vier Kilometer zu Fuß gehen. Nun, es kamen etwa 300 – 400 Gottesdienstbesucher, um unter freiem Himmel Gottesdienst zu feiern.

Dabei hatten wir nur paar unbequeme Bänke anzubieten. Die meisten mussten während des ganzen Gottesdienstes stehen. Man hatte auch etwas früher als gewöhnlich aufstehen müssen, um rechtzeitig da zu sein. Der lange Fußmarsch schien den meisten auch nichts auszumachen. Als wir im nächsten Jahr diesen Waldgottesdienst gefeiert haben, kam wieder so viele Menschen. Bis heute kommen zu Christi Himmelfahrt noch viele Menschen, um im Wald Gottesdienst zu feiern. Da muss doch etwas Besonderes an den Gottesdiensten unter freiem Himmel sein, dass sie Menschen anziehen.

 

Da hat ein außergewöhnlicher Prediger eine solche Menschenmenge angezogen, dass er auf einen Berg steigen muss. Was hat er denn zuvor so außergewöhnliches gepredigt, dass ihn so viele Menschen sehen und hören wollen. Ich habe im Matthäusevangelium geblättert und vor der Bergpredigt nur einen einzigen Satz gefunden, der eine Predigt Jesu bedeutet: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe!“ Deshalb behaupte ich: die Menschen haben den Himmel auf Erden gesucht. Sie waren dafür bereit, neue Wege zu gehen. Buße ist nichts anderes, als einen Weg zu Gott zu suchen.

 

Vor 486 Jahren schlug der Augustinermönch Martin Luther ein Flugblatt an die Kirchentür der Schlosskirche zu Wittenberg: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: ‚Tut Buße’, hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sei.“ Seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel wurden gedruckt und in ganz Mitteleuropa weiter verteilt. Sie sind eine Bußpredigt, und diese Bußpredigt hat ein Erdbeben ausgelöst.

 

„Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe!“ Bald werden wir Weihnachten feiern. Dann werden wir uns bemühen, anders zu denken und zu handeln wie sonst. Wir werden das Fest in festlicher Kleidung und mit festlichem Essen feiern.Wir werden uns auf das Fest vorbereiten. Nichts anderes meint Jesus mit seiner Aufforderung: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe!“ Wie bereiten wir uns wirklich mit Herz und Seele auf Weihnachten und auf das Kommen des Himmelreichs vor?

 

Von Anfang an hat Jesus gezeigt, dass das Himmelreich nahe ist. Er heilte alle Kranken und half den Leidenden. Wahrscheinlich war wohl das der Grund, weshalb ihn so viele Menschen hören wollte. Sie wollten die Nähe des Himmelreiches erfahren! Sie sind nicht enttäuscht worden!

 

Das Himmelreich gibt es für uns umsonst! Den Aufenthalt im sogenannten Ferienparadies muss ich teuer bezahlen. Wenn ich nicht genug Geld für das Ferienparadies habe, bleibt es für mich verschlossen. Das Himmelreich aber steht offen, weil schon ein anderer den Eintrittspreis für mich bezahlt hat. Jesus selbst hat es für die Armen gekauft und teuer dafür aufkommen müssen!

 

Glückselig sollen die Armen im Geist sein, weil ihnen das Himmelreich gehört. Das Himmelreich steht offen! Das war die Botschaft Jesu und später auch die Botschaft der Reformation. Diese Botschaft hat viele Menschen angezogen.

 

Das Himmelreich steht offen! So könnte man die Seligpreisungen der Bergpredigt zusammenfassen. Das Himmelreich steht offen für die armen, die traurigen, die rechtlosen, die mitleidigen, die arglosen, die friedfertigen Menschen und für die, die sogar verfolgt und verleumdet werden. Hingegen geht leichter ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ein Reicher in den Himmel kommt. (Matth. 19,24) Im Gegenteil: „Dem der Gott nichts bieten kann, bietet Gott die Freundschaft an!“

 

„Dem der Gott nichts bieten kann, bietet Gott die Freundschaft an!“ Wie viel Besitz, wie viel Erfolge, wie viel Einfluss, wie viel Ansehen haben wir? Vielleicht sollten wir besser aufhören, auf die Bilanzen unseres Lebens zu schielen. Martin Luther hat die Entdeckung gemacht, dass wir vor Gott arme Bettler sind. Wenn wir diese Erkenntnis auch für uns annehmen, dann haben wir den Eingang ins Himmelreich gefunden. Gott will uns reich machen: er wird uns beistehen, die Erde zum Besitz machen und unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit stillen. Am Ende sollen wir ihn selbst sehen als seine geliebten Kinder. Das Himmelreich steht offen; wir brauchen uns ihm nur zuzuwenden.   Kanzelsegen! Amen

GANG DES REFORMATIONSGOTTESDIENSTES IN  NIESTE AM 1. November 2009

ORGELVORSPIEL

BEGRÜSSUNG

TAGESSPRUCH: Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
1 Korinther 3,11

EG 288, 1-3: Nun jauchzt dem Herren alle Welt

46. PSALM EG-NR.: 725

EHR` SEI DEM VATER ...
KYRIE
EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE...
ALLEIN GOTT IN DER HÖH´ SEI EHR...
SEGENSGRUSS

KOLLEKTEN- ODER TAGESGEBET
Wir danken dir, Gott, unser Vater. Dein Wort zeigt neue Wege,  dein Wort eröffnet neues Vertrauen, dein Wort weckt neue Liebe - damals und heute. Gib uns ein waches Herz und offene Augen. Hilf mutig vorangehen. Dir sei Ehre durch Christus im Heiligen Geist.

EVANGELIUM: Mt 5,2-10 (11-12) Die Seligpreisungen

GLAUBENSLIED:  EG 184, 1-5: Wir glauben Gott im höchsten Thron

PREDIGT über Mt 5,2-10 (11-12) Die Seligpreisungen

EG 362, 1-4: Ein feste Burg


FÜRBITTENGEBET
Barmherziger Gott, aus deiner Gnade leben wir. Du sorgst für uns.
Dir verdanken wir alles, was wir sind und haben.

Erfülle unsere Herzen mit deiner Liebe,  damit wir wollen, was du willst.

Sende deinen Geist in deine Kirche, damit sie dir mehr gehorcht als den Menschen, damit sie keine Angst vor den Mächtigen der Welt hat, damit sie nicht verzweifelt, wo sie verfolgt wird.

Mache uns dankbar für alle, die uns dein Wort weitergegeben haben, die uns die Augen für deine Werke geöffnet haben, die uns als deine Zeuginnen und Zeugen vorangegangen sind.

Schenke deine Gnade allen, die forschen und lehren, damit sie dich in den Wundern des Lebens erkennen und damit durch sie die Liebe zu dir und deiner Welt größer wird.

Erfülle unsere Herzen mit deiner Liebe,  damit wir wollen, was du willst.

Segne unsere Hände,  damit wir vollbringen, was du willst.

Sei mit deiner heilenden Gegenwart an allen Orten, an denen Menschen leiden: in den ungezählten Krisengebieten, in den Flüchtlingslagern, an den Kriegsschauplätzen.

Gib Gnade, wo Menschen einander helfen. Lass die Zahl der Friedfertigen groß werden. Mache die Gerechtigkeit zur Richtschnur des menschlichen Zusammenlebens. Gib denen reine Herzen, die über das Leben anderer entscheiden.

Segne unsere Hände,  damit wir vollbringen, was du willst.  Dir vertrauen wir uns an, durch Jesus Christus unseren Herrn.
Amen.

STILLE ZEIT

ZUSPRUCH:
Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen...... Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. (Römer 8, 26b + 28a)

EG 229, 1-3. Kommt mit Gaben und Lobgesang

SALUTATIO ZUM ABENDMAHL
PRÄFATION

Ja, es ist recht, dir zu danken, es ist gut, dich zu preisen,
heiliger Gott, du Vater des Lebens,
wir loben dich im Namen deines Sohnes Jesus Christus.

Durch ihn wird dein heiliger Name gepriesen
vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
Durch ihn erfüllst du deine Geschöpfe mit Segen
und erfreust sie alle mit dem Glanz deines Lichtes.

Darum loben die Engel deine Herrlichkeit,
darum beten dich an die Mächte und fürchten dich alle Gewalten.
Die Kräfte des Himmels preisen dich mit einhelligem Jubel.
Mit ihnen vereinen wir unsere Stimmen und lobsingen ohne Ende:

ALS HEILIG: EG 331, 1-2
VATERUNSER
EINSETZUNGSWORTE
AGNUS DIE: Christe du Lamm Gottes
AUSTEILUNG
DANKLIED: EG 333, 1
DANKGEBET

EG 421: Verleih uns Frieden


ABKÜNDIGUNGEN

SENDUNG UND SEGEN
ORGELNACHSPIEL


 


Predigtarchiv mit Stichwortsuche
         Anfangsseite

Sie können die Ankündigung der jeweils aktuelle Sonntagspredigt auch per e-mail bekommen.

Ekhard Brandes

 

. Besucher seit dem 15. Oktober 1999.
© Ekhard Brandes
Impressum und Haftungsausschluss