Predigt über Matthäus 3, 13-17  am 1. Sonntag nach Epiphanias, dem 12. Januar .2003 in Nieste, Escherode, Benterode und Uschlag
Kanzelgruß
Predigttext: Damals kam Jesus von Galiläa her zum Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber sprach sich völlig dagegen aus: „Ich habe es nötig, von dir getauft zu werden, doch du kommst zu mir?“ Jesus aber entgegnete: „Lass es geschehen, denn so ist es unsere Pflicht, die vollständige Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ es Johannes geschehen. Als Jesus getauft wurde und aus dem Wasser stieg, da wurde der Himmel geöffnet. Er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabkommen. Der Geist kam über ihn. Da sprach eine Stimme vom Himmel her: „Dieser ist mein geliebter Sohn, der mir gefällt."

Liebe Gemeinde!
Von der Grundschule Olsberg  wurde die folgende Geschichte einer Schülerin veröffentlicht: „Annkatrin war ein kleines sehr fröhliches Mädchen. Ihre Eltern verstanden sich gut. Doch als Annkatrin zehn Jahre alt wurde, bekam ihre Mutter eine schlimme Krankheit. Die Ärzte konnten ihr nicht helfen. Bald darauf starb sie. Der Vater versuchte Annkatrin zu trösten, aber es half nichts. „Sie ist tot und wird nie wieder kommen!“, schluchzte Annkatrin. In ihrer Verzweiflung lief sie hinaus auf eine große Wiese. Da hörte sie zwei Schüsse. Bald darauf fielen auch zwei große Tauben vom Himmel. Sie landeten in der Hecke, die ein paar Meter von Annkatrin wuchs. Annkatrin ging zur Hecke und sah die beiden toten Tauben. Plötzlich kam eine dritte Taube angeflogen. Sie setzte sich neben Annkatrin. Annkatrin wusste sofort: Das in der Hecke waren die Taubeneltern. Sie nahm die Taube auf den Arm und sagte: „Deine Eltern sind tot, so wie meine Mutter. Es ist gut zu wissen, dass man jemanden hat, der genauso fühlt!“ Annkatrin fühlte, wie die Taube ihr etwas sagen wollte, was sie nicht verstand. Sie ließ sie los, und die Taube flog weg. Annkatrin wusste: Ich bin nicht allein.“

Eigentlich ist dieser kleine Schulaufsatz auch eine wunderschöne Deutung dieses Bildes von einer Taube in unserem Predigttext. Jesus wird getauft und der Heilige Geist kommt in der Gestalt einer Taube zu ihn. Jesus hat einen langen und schweren Weg vor sich, doch er ist nicht allein. 

Zunächst aber hat mich dieser Schulaufsatz an ein bekanntes Bild von Pablo Picasso erinnert: Das Kind mit der Taube aus dem Jahr 1901. Es zeigt ein Mädchen im langen blauen Kleid. Der Himmel wirkt düster. Das Mädchen geht auf einer grünen Wiese; vor ihm rollt ein großer bunter Ball. Mit beiden Händen hält es schützend eine weiße Taube. Es hat den Anschein als wolle es die Taube vor einem von hinten herannahendem Unwetter beschützen. 

Ein solches drohendes Unwetter scheint auch in diesen Tagen bevorzustehen. Täglich berichten die Medien über Truppenaufmärsche am Golf. Es hat den Anschein als sei ein Krieg am Golf unvermeidbar geworden. Wieder werden Kinder, Frauen, wehrlose alte Menschen und Soldaten getötet werden oder schlimmste Verletzungen davontragen. Beide Seiten halten auf ihre Weise diesen Krieg für gerechtfertigt. Gibt es das wirklich, einen gerechten Krieg?

Jesus geht einen anderen Weg, den Weg einer neuen Gerechtigkeit. „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3. Mose 19,18) und deinen Feind hassen.  Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und [b] bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“  (Matthäus 5,43-45) Da ist kein Schwarz – weiß – Denken. Da ist keine leichtfertige Einteilung in Gute und Böse. Da ist kein Beharren auf eigene angeblich gute Rechte. „Ich aber sage euch!“  So verkündet Jesus eine neue Gerechtigkeit. In seiner Bergpredigt und in seinen Gleichnissen, in seinem Handeln und Tun finden sich noch viele andere Beispiele seiner neuen Gerechtigkeit. Wichtig ist, dass Jesus eben nicht nur über die Gerechtigkeit redet, sondern dass er sie tut. 

Vom indischen Freiheitskämpfer und Philosophen Mahatma Gandhi gibt es einen Ausspruch: „Es gibt keinen Weg zum Frieden. Der Frieden ist der Weg!“ Genauso hält es Jesus mit der Gerechtigkeit: „Es gibt keinen Weg zur Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit ist der Weg!“ Zur Gerechtigkeit gehört es, dass er sich taufen lässt. Gottes Sohn ohne Schuld und Sünde unterwirft sich der reinigenden Kraft des Wassers. Gottes Sohn unterwirft sich dem menschlichen Schicksal des Sterbens und Wieder – Auferstehen. Auch das bedeutet ja die Taufe, dass mit dem Untertauchen der alte Mensch stirbt und mit dem Auftauchen eine neuer und gerechter Mensch aufersteht. Gottes Sohn wird sich den Gefahren der Versuchung aussetzen. Reichtum, Heil und Macht bietet ihm der Versucher an, doch Jesus geht den Weg der Armut, der Ohnmacht und des Todes bis hin zum Kreuz. Jesus verzichtet auf alle Ansprüche. Er verzichtet auf alle Rechte. So erfüllt selbst die Ansprüche einer neuen Gerechtigkeit. Er liebt seine Feinde bis zum Ende am Kreuz!

Das alles nimmt mit seiner Taufe einen Anfang. Mit der Taufe stellt sich Jesus Christus den Menschen gleich. Gleichzeitig aber wird seine besondere Beziehung zum himmlischen Vater deutlich. Dort wo Jesus ist, da steht der Himmel offen. Dort wo Jesus wirkt, ist der Geist Gottes mit ihm. Wie gesagt die herabkommende Taube ist eine Botschaft Gottes: „Ich lasse dich nicht allein!“ Mit seiner Taufe wird Jesus sogar zum König, zum Messias, zum Christus gesalbt. Im Alten Testament wurden die Könige aus Juda bei ihrer Salbung und Krönung als „Söhne Gottes“ bezeichnet. Dort am Jordan aber wird ein König gesalbt, dessen Reich nicht von dieser Welt ist und der eine neue Gerechtigkeit aufrichtet. Dieser König hat seine Gerechtigkeit verkündet und sie auch gelebt.. Dieser König wird der Menschheit die Erlösung von Unrecht und Gewalt bringen. Dieser König wird einen gerechten Frieden schaffen. 

Kanzelsegen! Amen
 

GANG DES GOTTESDIENSTES IN Escherode und Nieste AM 12. Januar 2003
ORGELVORSPIEL
BEGRÜSSUNG 
WOCHENSPRUCH
Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.   Röm 8,14
ABKÜNDIGUNGEN: 

EG 70, 1+3+4: Wie schön leuchtet der Morgenstern

100. PSALM EG-NR.:740
EHR` SEI DEM VATER ...
KYRIE
EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE...
ALLEIN GOTT IN DER HÖH´ SEI EHR...
SEGENSGRUSS
TAGESGEBET
Gott, deine Kinder sein - das möchten wir gern. Uns von deinem Geist treiben lassen, dir vertrauen - das wünschen wir uns.Es gibt so viele andere Dinge, die uns treiben: Sorgen, Fragen, Ängste. Uns fehlt der Mut, bei dir zu bleiben. Wir tun lieber, was alle tun. Wecke uns auf, sprich uns an, gib uns deinen Geist, damit wir werden, wie du uns gewollt hast: Deine Kinder, Menschen deines Wohlgefallens.

EPISTEL: Röm 12,1-3 (4-8) Stellt euch nicht dieser Welt gleich
HALLELUJA

EG 441, 1-5 Du  höchstes Licht, du ewger Schein  
EVANGELIUM: Mt 3,13-17 Die Taufe Jesu
GLAUBENSBEKENNTIS EG-NR. 804
EG 200, 1+2+5: Ich bin getauft

PREDIGT über Mt 3,13-17 Die Taufe Jesu

EG 66, 1+2+5: Jesus ist kommen 

FÜRBITTENGEBET
Gott, in Jesus bist du gekommen, um die Menschen zu dir zu ziehen. Wir beten für alle Menschen, daß du sie leitest. Unterwegs bewahre sie, in Gefahren rette sie, am Ziel nimm sie auf.
Vor allem beten wir für die Ängstlichen, für die Enttäuschten, für die Irregeführten.
Wir beten auch für die, die reich sind an Worten, an Geld und an Macht. Laß ihnen dein Licht aufgehen, daß sie erkennen, was ihnen zum Heil dient. Für die, die es gut haben, bitten wir, daß sie gütig seien. Für die, die sterben, bitten wir, daß sie aufgehoben sind bei dir.
Die Zeichen deiner Herrschaft offenbare uns,daß wir dir vertrauen und dich loben.

 VATERUNSER

EG 66,8: Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben

SENDUNG UND SEGEN
ORGELNACHSPIEL

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