Predigt über
Jesaja 43, 1-7 am 6. Sonntag nach Trinitatis, dem
15. Juli 2007 in Escherode, Nieste, Benterode und Uschlag
Kanzelgruß
Predigttext: Gerade
jetzt spricht so der HERR, der dich, Jakob, erschaffen hat und dich,
Israel, formte: „Fürchte dich doch nicht, denn ich
erlöse dich! Ich rufe dich bei deinem Namen; du
gehörst zu mir!
Selbst wenn du
tiefe Wasser durchquerst, bin ich mit dir. Die Strömungen
sollen dich nicht fortreißen.
Selbst wenn du
mitten durchs Feuer gehst, wirst du nicht verbrennen; ja, die Flammen
werden dich nicht ansengen.
Denn ich, der
HERR, bin dein Gott! Der Heilige Israels kommt dir zur Hilfe!
Ich habe dir
Ägypten als Pfand gegeben; Äthiopien und Saba sind
nun an deiner Stelle!
Das habe ich
deshalb getan, weil du in meinen Augen besonders wertvoll bist! Du bist
mir besonders wichtig! Ich liebe dich!
Menschen gebe ich
an deiner Stelle. Ganze Völker gebe ich für dein
Leben.
Fürchte
dich doch nicht, denn ich bin mit dir!
Von Osten her
werde ich deine Kinder holen. Von Westen her werde ich dich sammeln.
Dem Norden werde
ich sagen: ‚Gib mir her!’ Dem Süden werde
ich sagen: ‚Verweigere es mir nicht!
Bring meine
Söhne von fern her! Hole meine Töchter vom
äußersten Rand der Erde!
Alle Wesen, die in
meinem Namen gerufen wurden: zu meiner Ehre habe ich sie erschaffen;
ich habe sie geformt; ich habe sie gemacht!“
Liebe Gemeinde!
Vor der Insel Usedom soll es früher, vor tausend Jahren eine
reiche Handelsstadt namens Vineta gegeben haben. Die Stadttore waren
von Erz und reich an kunstvoller Bildnerei, alles gemeine Geschirr war
von Silber, alles Tischgeräte von Gold. Endlich aber
zerstörte bürgerliche Uneinigkeit und der Einwohner
ungezügeltes Leben die Blüte der Stadt Vineta, welche
an Pracht und Glanz und der Lage nach das Venedig des Norden war. Der
Sage nach ist Vineta bei einer Sturmflut untergegangen. Der eigentliche
Grund sei der moralische Verfall der Stadt, der „Hochmut und
die Verschwendung der Bewohner“ gewesen. Dabei gab es eine
Warnung: Drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor dem Untergang der
Stadt erschien sie über dem Meer mit allen Häusern,
Türmen und Mauern als farbiges Lichtgebilde. Die
Ältesten rieten allen Leuten daraufhin, die Stadt zu
verlassen, denn sehe man Städte, Schiffe oder Menschen
doppelt, so bedeute das immer den Untergang. Doch die Bewohner Vinetas
kümmerten sich in ihrem Mangel an Demut nicht darum. Niemand
beachtete auch die allerletzte Warnung: Einige Wochen später
tauchte eine Wasserfrau dicht vor der Stadt aus dem Meer und rief
dreimal mit hoher, schauerlicher Stimme: „Vineta, Vineta, du
reiche Stadt, Vineta soll untergehn, weil sie viel Böses getan
hat.“ Noch heute sollen Glocken aus den Tiefen des Meeres zu
hören sein.
Wenn man im Internet nach den Stichwörtern
„untergegangen“ und „Stadt“
sucht, findet man noch mehr solcher Sagen. Sie erzählen von
Freveltaten der Menschen und dass diese Freveltaten immer den Untergang
zur Folge haben. Heute haben die Katastrophenfilme von Hollywood das
gleiche Schema: Da bahnt sich eine Naturkatastrophe an, die meisten
Leute kümmern sich nicht darum, sie leben in Saus und Braus,
und zum Glück finden sich immer wieder Helden, die das
Schlimmste verhüten.
In den letzten Wochen und Monaten wird verstärkt über
den Klimawandel gesprochen. Dabei geht es nicht nur um das
merkwürdige Wetter, das wir gegenwärtig haben, es
geht um weitere Folgen: z.B. das Aussterben von Tier- und
Pflanzenarten, z.B. das Entstehen neuer Hungerzonen und neuer
Wüsten, die ihrerseits Völkerwanderungen und Kriege
zur Folge haben werden. Es gibt noch viele andere Folgen des
Klimawandels. Am meisten berührt uns der Anstieg des
Meeresspiegels. Bis zum Jahr 2050 sollen es fast 50 cm sein, die der
Meeresspiegel in der Nordsee ansteigen soll. Was wird da aus der Insel
Sylt, den Halligen, den ostfriesischen Inseln, der Großstadt
Hamburg? Dann ist wohl Holland in Not. Ähnlich wie vor dem
Untergang der Stadt Vineta gibt es Warnungen zuhauf. Alles hat
Konsequenzen. Die Naturgesetze kennen keine Gnade. Der Autofahrer, der
mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Kurve, setzt
sich den Fliehkräften aus, die sein Auto aus der Kurve gegen
den Baum schleudern. Alles hat seine Konsequenzen! Es wird Zeit, dass
die Menschheit zur Besinnung kommt und die Schöpfung wieder
achten lernt.
Nun ist Angst ein schlechter Ratgeber! Panikmache darf auch nicht sein.
Gott ruft uns auch heute zu: „Fürchte dich
doch nicht, denn ich erlöse dich! Ich rufe dich bei deinem
Namen; du gehörst zu mir! ... Denn ich, der HERR, bin dein
Gott! Der Heilige Israels kommt dir zur Hilfe!“
So spricht der Schöpfer, der diese Welt, uns alle, dich und
mich erschaffen hat. Es geht um eine Umkehr hin zu den
Anfängen, hin zu Gott. Der Schöpfer ist der Einzige,
der alles zum Guten wenden kann. Es lohnt sich, umzukehren und neue
Wege zu gehen. Noch ist diese Welt nicht verloren. Im alten Israel gab
es ein Sprichwort: „Die Väter aßen saure
Trauben, doch die Zähne der Kinder werden davon
stumpf.“ Zu deutsch: Wir führen ein schönes
Leben, doch unsere Kinder und Enkel zahlen einmal die Zeche
dafür. Doch so soll es nicht sein. Gott will seine Welt
bewahren. Der Klimawandel mag vielleicht schon unabwendbar sein, doch
mit Gottes Hilfe kann die Menschheit Wege finden, das Schlimmste zu
verhüten.
„Fürchte
dich doch nicht, denn ich erlöse dich! Ich habe dich bei
deinem Namen gerufen; du gehörst zu mir!“,
sagt Gott zu uns! Gott will uns in der Not nicht allein lassen.
Natürlich könnten wir jetzt lange spekulieren, warum
Gott denn überhaupt die Not zulässt. Aber solche
Grundsatzdebatten bringen uns nicht weiter, damit schaffen wir ja die
Not nicht aus der Welt. Wir müssen, ob wir es wollen oder
nicht, mit der Not, mit Katastrophen und Schicksalsschlägen
leben und mit ihnen fertig werden. Da ist es gut zu wissen: Gott
lässt uns nicht allein; er kennt uns, und wir sind ihm nicht
egal! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du gehörst zu
mir!
Das mit dem Namen ist schon sehr wichtig! Es ist ein Unterschied, ob
der Lehrer die Schüler in der vollen Klasse mit Namen
ansprechen kann oder ob er einen Schüler mit: „Du da
mit der roten Jacke!“ anspricht. Gott kennt uns mit Namen: da
besteht eine Beziehung! Übrigens hat auch Gott seinen Namen:
Wir kennen ihn als Jahwe oder als Vater unseres Herrn Jesus Christus!
Gott kennt uns, und wir gehören zu ihn! Der Schöpfer
hat ein Interesse an seinen Geschöpfen. Deshalb will er uns
die Hand reichen und uns aus der Not heraus helfen. Er will uns bei
Gefahren bewahren. Deshalb können wir ohne Angst und Furcht
leben. Wir können Vertrauen haben zu unserem himmlischen
Vater, der uns lieb hat! Natürlich wird irgendwann einmal ein
Schicksalsschlag, ein Unfall, eine Krankheit oder zuletzt der Tod
kommen und uns das Leben nehmen. Dass wir alle Leid, Krankheit und Tod
erfahren müssen, das wurde uns schon in der Wiege gesagt. Die
tiefen Wasser und das Feuer in unserem Bibelabschnitt sind ein Hinweis
auf die Nöte und Schicksalsschläge unseres Lebens. Am
Ende wartet sogar der Tod mit seinen Vorboten, den Krankheiten, dem
Altern und dem Sterben. Aber Gott hat uns erlöst, er will uns
vom Tod erretten zum ewigen Leben. Gott will nicht, dass eins seiner
Geschöpfe im Tod verloren geht. Gott sagt: „Alle
Wesen, die in meinem Namen gerufen wurden: zu meiner Ehre habe ich sie
erschaffen; ich habe sie geformt; ich habe sie gemacht!“
Mit dem heutigen Sonntag werden wir an unsere Taufe erinnert!
Für die frühen Christen bedeutete die Taufe ein
symbolisches Sterben und Auferstehen: Mit dem Untertauchen ins Wasser
starb der alte Mensch, mit dem Wieder-Auftauchen aus dem Wasser
entstand ein neuer Mensch zu neuem Leben. Mit der Taufe wird der Mensch
zum Christen; er gehört zu Christus, der gestorben und wieder
auferstanden ist. Wenn wir sterben, dann werden wir mit Christus auch
wieder auferstehen zum neuen Leben. Mit der Taufe beginnt eine
besondere Beziehung zwischen dem Schöpfer und seinem
Geschöpf! „Fürchte dich doch nicht, denn
ich erlöse dich! Ich rufe dich bei deinem Namen; du
gehörst zu mir! ... Alle Wesen, die in meinem Namen gerufen
wurden: zu meiner Ehre habe ich sie erschaffen; ich habe sie geformt;
ich habe sie gemacht!“
Kanzelsegen! Amen
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GANG
DES GOTTESDIENSTES IN ESCHERODE AM 15. Juli 2007
ORGELVORSPIEL
BEGRÜSSUNG
WOCHENSPRUCH:
So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich
nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem
Namen gerufen; du bist mein! Jes 43,1
EG 445, 1+4+5: Gott des Himmels und der Erden
139. PSALM EG-NR.: 754
EHR` SEI DEM VATER ..
KYRIE
EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE
ALLEIN GOTT IN DER HÖH´ SEI EHR..
SEGENSGRUSS
TAGESGEBET
Herr Gott, lieber Vater, du hast uns in der heiligen Taufe das neue
Leben geschenkt. Wir bitten dich: Gib, daß wir dir treu
bleiben und unseren Glauben durch Taten der Liebe üben, bis
wir vollendet werden in deinem Reich. Das bitten wir durch Jesus
Christus, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen
Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
ALTTESTAMENTLICHE LESUNG: Jesaja 43,1-7 Ich habe dich bei deinem Namen
gerufen
HALLELUJA
EG 200, 1+2+4: Ich bin getauft auf deinen Namen
EVANGELIUM: Matthäus 28, 16-20
GLAUBENSBEKENNTIS
EG 365, 1-4: Von Gott will ich nicht lassen
PREDIGT über Jesaja 43,1-7 Ich habe dich bei deinem Namen
gerufen
EG 365, 5-8: Von Gott will ich nicht lassen
ABKÜNDIGUNGEN VON AMTSHANDLUNGEN:
FÜRBITTENGEBET
Herr, unser Gott und Vater! Wir sind getauft und berufen zu einem neuen
Leben.
Wir bitten dich aufs neue um deinen Geist, den Geist der Hoffnung und
der Geduld,
der Liebe und der Besonnenheit.
Wir beten für die Kinder, die wir taufen,
und für die Jungen und Mädchen, die wir konfirmieren,
daß Gott ihnen helfe, Menschen zu werden nach seinem Bilde,
Menschen, die andere lieben können wie sich selbst.
Wir sehen unsere Aufgabe an Kindern und Enkeln,
an allen, die uns besonders anvertraut sind.
Wir bitten Gott um offene Ohren für ihre Fragen,
um ein offenes Herz für ihre Probleme.
Wir vereinen uns mit den Menschen, die sich am Leben freuen
können.
Hilf uns, Gott, unsere Freude, unser Glück mit anderen zu
teilen.
Wir sehen auch die Leidenden und Alleingelassenen,
die von Unrecht, Gewalt und Krieg Bedrohten in aller Welt.
Gott bewahre uns davor, daß wir so leben, als gäbe
es sie nicht.
Wir gedenken der Menschen, die der Tod uns genommen hat.
Wir vertrauen sie Gott an - dankbar für alles Gute, das sie
uns getan haben.
Du hast dich unser erbarmt, Herr, unser Gott.
Dein Sohn ist unser Licht im Dunkel der Welt,
ein Licht der Hoffnung für alle Menschen.
An ihn halten wir uns,
auf ihn verlassen wir uns, jetzt und in Zukunft.
Stille Zeit
VATERUNSER
EG 352, 1+4: Alles ist an Gottes Segen
ABKÜNDIGUNGEN
SENDUNG UND SEGEN
ORGELNACHSPIEL
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