| Predigt über Jesaja 42, 1-9 am 1.
Sonntag nach Epiphanias, den 13. Januar 2002
Kanzelgruß
So hat Gott, der HERR, gesprochen, der die Himmel erschaffen und
sie ausgespannt hat,
„Ich bin der HERR, ich habe dich mit Gerechtigkeit gerufen,
Ich bin der HERR, das ist mein Name.
Liebe Gemeinde!
Es war ein eigenartiges Land mit einer seltsamen Kultur! Es gab vieles zu sehen und zu erleben, aber die Menschen mit ihrem lauten Temperament waren kaum zu verstehen. Sie hatten es nicht gern, wenn man kritische Fragen zu ihrer Geschichte und zu ihrer Religion stellte. Bald war der Urlaub vorbei, und unser Mann beschloss, sich einige Bücher über dieses Land und seine Leute zu kaufen. Auf der langen Rückreise hatte er ja viel Zeit, um zu lesen. So las er von ihrem Gott, der einen Mann den Auftrag gab, ganz bescheiden, ganz behutsam und leise zu regieren. Das war etwas ganz Neues für unseren Minister. Er wusste: Wer nach oben will, der muss mit allen Mitteln kämpfen. Wer nach oben will, der muss lautstark seine Position vertreten. Gespannt las er in diesem Buch von dem Mann, der im Namen Gottes regieren sollte. Seine Gegner, die schon angeschlagen waren, die sollte er verschonen. ‚Wenn das man nicht ein Fehler ist!’, dachte der reisende Politiker beim Lesen. Dass dieser Gottesmann den Auftrag hatte, die ganze Welt zu regieren, das wunderte ihn nicht. Wer in die Politik will, der muss auch große Ziele vor Augen haben. Aber dann las unser Minister vom Scheitern dieses Gottesmannes. Er hielt den Kopf für andere hin, statt an der Macht zu kleben. Er protestierte in keiner Weise, als man ihn wegen verschiedener Vergehen anklagte, sondern er übernahm auch noch die volle Verantwortung. Er wehrte sich nicht, als es ihn an den Kragen ging. Klaglos ging er zuletzt in den Tod. Für seine Bescheidenheit und für seinen Untergang wurde er auch noch in diesem Buch gelobt. ‚Eine merkwürdige Geschichte’, dachte unser Herr. ‚Schade ums Geld für dieses Buch!’ Kopfschüttelnd legte er es zur Seite. Da wurde er von einem Mitreisenden angesprochen .Der Herr Philipp hatte bemerkt, dass unser Minister mit diesem Buch nichts anfangen konnte. Er erzählte dem mächtigen Politiker von einem anderen Mann, der im Namen Gottes zu den Menschen gekommen war, der die Liebe gepredigt hatte, der Menschen heilte und den Weg zu Gott zeigte. Er erzählte, wie Jesus auf die Macht verzichtet hatte und zuletzt von seinen Gegnern getötet wurde, dass Gott ihn aber von den Toten auferweckt hatte. Unser Minister war nun ganz hellhörig geworden. Das war eine völlig neue Welt, von welcher der Herr Philipp erzählte. Irgendwann trennten sich die Wege der beiden Reisenden, und der Finanzminister begann nochmals, sein neues Buch mit anderen Augen zu lesen. Er entdeckte nun, dass es eben nicht darum ging, andere Menschen zu beherrschen. Wer ein Diener Gottes sein will, der muss bereit sein, ganz bescheiden anderen Menschen zu dienen. Wie oft hatte selbst ihn das laute Gerede im Wahlkampf mit den leeren Versprechungen und die verlogene Rechthaberei im Parlament gestört. Hier wurden nun die Rücksicht und die Nächstenliebe gepredigt. Unser Machtmensch begriff: „Wenn sich die Welt ändern soll, muss ich mich selbst erst einmal ändern!“ Zwischendurch legte er sein Buch zur Seite. Er sah an sich die Landschaft vorüber ziehen. Man hatte gerade die Wüste durchquert und näherte sich einer besonders farbenfrohen Oase. Der Reisende spürte die Schönheit der Blumen und den Reichtum der fruchtbeladenen Bäume. Er sah die grasenden Schafe und Kühe und ihm fielen diese Gedanken aus seinem neuen Buch über Gott ein, welcher die Himmel ausgespannt, die Erde mit den Farben der Pflanzen bedeckt und den Menschen das Leben gegeben hat. ‚Warum sehe ich diese Schönheit sonst nicht?’, fragte er sich. ‚Warum lebe ich eigentlich am wirklichen Leben vorbei? Die Bäume wachsen ganz langsam und ganz leise. Trotzdem leben sie viel länger als die Menschen. Vielleicht hat das Buch ja doch recht, dass Gott seine Diener schickt, die behutsam und bescheiden diese Welt verändern sollen. Vielleicht war auch der Herr Philipp so ein Diener Gottes.’ Zufrieden und fröhlich lehnte sich der Minister zurück und zog weiter seinen Weg in die Heimat. Tatsächlich erzählt die Apostelgeschichte des Lukas von einem Finanzminister aus Äthiopien, der sich in Jerusalem das Buch vom Propheten Jesaja kaufte und damit nichts anfangen konnte, bis ihn der Apostel Philippus dieses Buch erklärte und von Jesus erzählte. Lukas berichtet, dass der Minister sich taufen ließ und ein neues Leben begonnen hat. Der Minister hatte verstanden, dass sich die Welt nur dann verändern kann, wenn wir Menschen uns von Gott verändern lassen. Ein neues Jahr hat begonnen. Wieder werden wir eingeladen, ein Neues
Jahr mit Jesus Christus zu leben. Jesus Christus hat den Menschen mit Sanftmut
und Beharrlichkeit das Evangelium, die Gute Nachricht von der Liebe Gottes
gebracht. Jesus wollte dem göttlichen Recht wieder neue Geltung verschaffen.
Gottes Recht sind Liebe und Barmherzigkeit. Jesus Christus ist in seiner
Aufgabe völlig aufgegangen. Man wollte ihm zum Schweigen bringen,
aber Gott hat diesen glimmenden Docht durch die Auferweckung Jesu von den
Toten neu zum Leuchten gebracht. Deshalb wirkt er weiterhin unter uns durch
seinen Geist und durch sein Wort, auch wenn Alltagsgeschäfte, private
oder geschäftliche Interessen und Pläne seine leise Stimme zum
Schweigen bringen wollen. Doch seine leise Stimme hat sich durchgesetzt,
sie wird sich auch in Zukunft durchsetzen. Nicht das lautstarke Showgeschäft
verändert diese Welt zum Guten, sondern das leise und beharrliche
Wachsen des neuen Lebens. Gott will Neues schaffen; bevor es wächst
hat er uns durch Jesus davon wissen lassen.
Kanzelsegen! Amen |
GANG DES GOTTESDIENSTES IN NIENHAGEN UND NIESTE
AM 13. Januar 2002 ORGELVORSPIEL
ABKÜNDIGUNGEN: EG 70, 1+4: Wie schön leuchtet der Morgenstern 103. PSALM EG-NR.:742
KOLLEKTEN- ODER TAGESGEBET
ALTTESTAMENTLICHE LESUNG: Jesaja 42,1-9: Das geknickte Rohr wird er
nicht zerbrechen
EG 441, 1-3:Du höchstes Licht EVANGELIUM: Matthäus 3,13-17 Die Taufe Jesu
EG 452, 1+2+4: Er weckt mich alle Morgen
EG 66, 1+2+4: Jesus ist kommen FÜRBITTENGEBET
VATERUNSER EG 66, 8: Jesus ist kommen
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