Predigt über Jesaja 42, 1-9 am  1. Sonntag nach Epiphanias, den 13. Januar  2002

Kanzelgruß
Predigttext: 
Hier ist mein Diener! An ihn halte ich fest. Er ist mein Erwählter. 
Von ganzer Seele mag ich ihn. 
Ich habe meine Geist auf ihn gelegt, damit er mein Recht zu den Völkern bringt.
Er macht kein Geschrei und keinen Lärm, von draußen kann man seine Stimme nicht hören.
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Das Recht wird er wahrhaftig ausüben!
Er selbst wird nicht verglimmen und nicht zerbrechen solange bis er das Recht auf Erden aufgerichtet haben wird und die Enden der Erde auf seine Anweisung warten.

So hat Gott, der HERR, gesprochen, der die Himmel erschaffen und sie ausgespannt hat,
der die Erde mit ihren Pflanzen ausbreitete, der dem Volk auf der Erde Atem zum Leben gibt,
und den Geist denen, die auf ihr umherziehen:

„Ich bin der HERR, ich habe dich mit Gerechtigkeit gerufen, 
ich werde dich bei deiner Hand fassen, dich behüten, 
dich zum Bund des Volkes und dich zum Licht der Heiden machen,
damit du die Augen der Blinden öffnest
und die Gefangenen aus dem Gefängnis und die im Dunkeln des Kerkers sitzen, herausholst.

Ich bin der HERR, das ist mein Name. 
Meine Ehre überlasse ich keinem Anderen und nicht den Götzen meinen Ruhm.
Was ich  früher versprochen hatte, ist auch tatsächlich eingetroffen,
 doch jetzt kündige ich euch Neues an: bevor es wächst, lasse ich es euch hören!

Liebe Gemeinde!
Ein einflussreicher Finanzminister hatte beschlossen, Urlaub zu machen und zu verreisen. Der Haushalt war gerade nach heftigen Debatten verabschiedet worden. Von der Opposition waren keine Störungen zu erwarten: die beste Zeit, um mal auszuspannen und Urlaub zu machen. Er buchte also eine Reise in ein weit entlegenes Land, um mal etwas anderes zu erleben. 

Es war ein eigenartiges Land mit einer seltsamen Kultur! Es gab vieles zu sehen und zu erleben, aber die Menschen mit ihrem lauten Temperament waren kaum zu verstehen. Sie hatten es nicht gern, wenn man kritische Fragen zu ihrer Geschichte und zu ihrer Religion stellte. Bald war der Urlaub vorbei, und unser Mann beschloss, sich einige Bücher über dieses Land und seine Leute zu kaufen. Auf der langen Rückreise hatte er ja viel Zeit, um zu lesen.

So las er von ihrem Gott, der einen Mann den Auftrag gab, ganz bescheiden, ganz behutsam und leise zu regieren. Das war etwas ganz Neues für unseren Minister. Er wusste: Wer nach oben will, der muss mit allen Mitteln kämpfen. Wer nach oben will, der muss lautstark seine Position vertreten. Gespannt las er in diesem Buch von dem Mann, der im Namen Gottes regieren sollte. Seine Gegner, die schon angeschlagen waren, die sollte er verschonen. ‚Wenn das man nicht ein Fehler ist!’, dachte der reisende Politiker beim Lesen. Dass dieser Gottesmann den Auftrag hatte, die ganze Welt zu regieren, das wunderte ihn nicht. Wer in die Politik will, der muss auch große Ziele vor Augen haben. Aber dann las unser Minister vom Scheitern dieses Gottesmannes. Er hielt den Kopf für andere hin, statt an der Macht zu kleben. Er protestierte in keiner Weise, als man ihn wegen verschiedener Vergehen anklagte, sondern er übernahm auch noch die volle Verantwortung. Er wehrte sich nicht, als es ihn an den Kragen ging. Klaglos ging er zuletzt in den Tod. Für seine Bescheidenheit und für seinen Untergang wurde er auch noch in diesem Buch gelobt. ‚Eine merkwürdige Geschichte’, dachte unser Herr. ‚Schade ums Geld für dieses Buch!’ Kopfschüttelnd legte er es zur Seite.

Da wurde er von einem Mitreisenden angesprochen .Der Herr Philipp hatte bemerkt, dass unser Minister mit diesem Buch nichts anfangen konnte. Er erzählte dem mächtigen Politiker von einem anderen Mann, der im Namen Gottes zu den Menschen gekommen war, der die Liebe gepredigt hatte, der Menschen heilte und den Weg zu Gott zeigte. Er erzählte, wie Jesus auf die Macht verzichtet hatte und zuletzt von seinen Gegnern getötet wurde, dass Gott ihn aber von den Toten auferweckt hatte. Unser Minister war nun ganz hellhörig geworden. Das war eine völlig neue Welt, von welcher der Herr Philipp erzählte. Irgendwann trennten sich die Wege der beiden Reisenden, und der Finanzminister begann nochmals, sein neues Buch mit anderen Augen zu lesen.

Er entdeckte nun, dass es eben nicht darum ging, andere Menschen zu beherrschen. Wer ein Diener Gottes sein will, der muss bereit sein, ganz bescheiden anderen Menschen zu dienen. Wie oft hatte selbst ihn das laute Gerede im Wahlkampf mit den leeren Versprechungen und die verlogene Rechthaberei im Parlament gestört. Hier wurden nun die Rücksicht und die Nächstenliebe gepredigt. Unser Machtmensch begriff: „Wenn sich die Welt ändern soll, muss ich mich selbst erst einmal ändern!“

Zwischendurch legte er sein Buch zur Seite. Er sah an sich die Landschaft vorüber ziehen. Man hatte gerade die Wüste durchquert und näherte sich einer besonders farbenfrohen Oase. Der Reisende spürte die Schönheit der Blumen und den Reichtum der fruchtbeladenen Bäume. Er sah die grasenden Schafe und Kühe und ihm fielen diese Gedanken aus seinem neuen Buch über Gott ein, welcher die Himmel ausgespannt, die Erde mit den Farben der Pflanzen bedeckt und den Menschen das Leben gegeben hat. ‚Warum sehe ich diese Schönheit sonst nicht?’, fragte er sich. ‚Warum lebe ich eigentlich am wirklichen Leben vorbei? Die Bäume wachsen ganz langsam und ganz leise. Trotzdem leben sie viel länger als die Menschen. Vielleicht hat das Buch ja doch recht, dass Gott seine Diener schickt, die behutsam und bescheiden diese Welt verändern sollen. Vielleicht war auch der Herr Philipp so ein Diener Gottes.’ Zufrieden und fröhlich lehnte sich der Minister zurück und zog weiter seinen Weg in die Heimat. 

Tatsächlich erzählt die Apostelgeschichte des Lukas von einem Finanzminister aus Äthiopien, der sich in Jerusalem das Buch vom Propheten Jesaja kaufte und damit nichts anfangen konnte, bis ihn der Apostel Philippus dieses Buch erklärte und von Jesus erzählte. Lukas berichtet, dass der Minister sich taufen ließ und ein neues Leben begonnen hat. Der Minister hatte verstanden, dass sich die Welt nur dann verändern kann, wenn wir Menschen uns von Gott verändern lassen. 

Ein neues Jahr hat begonnen. Wieder werden wir eingeladen, ein Neues Jahr mit Jesus Christus zu leben. Jesus Christus hat den Menschen mit Sanftmut und Beharrlichkeit das Evangelium, die Gute Nachricht von der Liebe Gottes gebracht. Jesus wollte dem göttlichen Recht wieder neue Geltung verschaffen. Gottes Recht sind Liebe und Barmherzigkeit. Jesus Christus ist in seiner Aufgabe völlig aufgegangen. Man wollte ihm zum Schweigen bringen, aber Gott hat diesen glimmenden Docht durch die Auferweckung Jesu von den Toten neu zum Leuchten gebracht. Deshalb wirkt er weiterhin unter uns durch seinen Geist und durch sein Wort, auch wenn Alltagsgeschäfte, private oder geschäftliche Interessen und Pläne seine leise Stimme zum Schweigen bringen wollen. Doch seine leise Stimme hat sich durchgesetzt, sie wird sich auch in Zukunft durchsetzen. Nicht das lautstarke Showgeschäft verändert diese Welt zum Guten, sondern das leise und beharrliche Wachsen des neuen Lebens. Gott will Neues schaffen; bevor es wächst hat er uns durch Jesus davon wissen lassen.
Was wird uns nun dieses Neue Jahr an Freud und Leid, an Gutem und Bösen bringen? Wir kennen unsere Zukunft nicht. Es reicht dass wir wissen: Jesus Christus  ist gekommen, um mit uns zu sein. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Das Recht wird er wahrhaftig ausüben!

Kanzelsegen! Amen

GANG DES GOTTESDIENSTES IN NIENHAGEN UND NIESTE 
AM 13. Januar 2002

ORGELVORSPIEL
BEGRÜSSUNG 
WOCHENSPRUCH
Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.   Röm 8,14

ABKÜNDIGUNGEN: 

EG 70, 1+4: Wie schön leuchtet der Morgenstern

103. PSALM EG-NR.:742
EHR` SEI DEM VATER ...
KYRIE
EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE...
ALLEIN GOTT IN DER HÖH´ SEI EHR...
SEGENSGRUSS

KOLLEKTEN- ODER TAGESGEBET
Allmächtiger Gott und Vater, du hast deinen Sohn zum Licht der Welt gemacht. Wir bitten dich: Erfülle die ganze Erde mit dem Glanz, der von ihm ausgeht, damit alle Menschen deine Herrlichkeit erfahren.

ALTTESTAMENTLICHE LESUNG: Jesaja 42,1-9: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen
HALLELUJA

EG 441, 1-3:Du höchstes Licht

EVANGELIUM: Matthäus 3,13-17 Die Taufe Jesu
GLAUBENSBEKENNTIS EG-NR. 804

EG 452, 1+2+4: Er weckt mich alle Morgen
PREDIGT über : Jesaja 42,1-9:

EG 66, 1+2+4: Jesus ist kommen

FÜRBITTENGEBET
Wie Kinder zu Vater und Mutter, so kommen wir, Gott, zu dir. Wir kommen mit unserer Freude und allem, was uns bedrückt, mit vielen Möglichkeiten, und doch immer wieder am Ende, nicht frei von Angst, aber auch nicht ohne Hoffnung. Wir kommen zu dir mit den Menschen, die du uns verbunden hast, und bitten dich um deine Hilfe. 
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die vielen unter uns, die sich einsam und verlassen fühlen, denen ein Mensch fehlt, der zuhören, verstehen und raten kann. Laß uns nicht achtlos aneinander vorbeileben. Hilf uns, aufmerksam, vorsichtig und geduldig miteinander umzugehen. Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für die Menschen, die keine Zeit haben für sich selbst, die sich aufreiben in ihrer Arbeit, in Unruhe und Hetze. Gib ihnen Gelegenheit zur Entspannung, zur Stille, zum Gespräch und hilf ihnen, sie wahrzunehmen. Wir rufen:
Wir sehen überall Menschen, die Angst haben, Angst vor den anderen, Angst vor sich selbst, Angst vor dem Leben und Angst vor dem Sterben. Laß sie Frieden finden in dir. Hilf uns allen, das Leid anzunehmen, das auf uns wartet. 
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Wir denken an alle, die traurig sind - traurig über eine Enttäuschung, über einen Abschied, über ein Versagen, über unabänderlich scheinende Verhältnisse. Gib ihnen Geduld und laß ihnen die Hoffnung nicht ausgehen. Öffne ihr Herz für Worte, die sie trösten, die ihnen Mut machen können. 
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Wir verbinden uns mit allen, die an ihrer Ohnmacht leiden, mit den Schwerkranken und denen, die ihnen nicht mehr helfen können, mit den Menschen, die gegen Haß und Gewalt, gegen Ungerechtigkeit angehen und dabei scheitern. Wir rufen:
Herr, unser Gott, du willst uns trösten, wie einen seine Mutter tröstet, du bist wie ein Vater, der seinen Sohn gehen läßt und wartet, bis er zurückommt. Dir vertrauen wir uns an durch Jesus, unseren Bruder. In seinem Namen beten wir:

VATERUNSER

EG 66, 8: Jesus ist kommen
SENDUNG UND SEGEN
ORGELNACHSPIEL
 

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