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PREDIGT über Jeremia
20,7-13 am Sonntag Oculi, dem 11.
März 2007 in Nieste und Escherode (Gedenken an 400.
Geburtstag an Paul Gerhardt, *12.3.1607)
Kanzelgruß
Predigttext: HERR, du
hast mich verführt, und ich habe mich zum Narren halten
lassen. Du hast mir Gewalt angetan und mich gezwungen. Den ganzen
langen Tag bin ich ein Gespött der Leute. Jeder verspottet
mich. Mehr als genug spreche ich, schreie ich um Hilfe! Unrecht und
Gewalt beklage ich.
Denn das Wort des
HERRN wurde mir zur Schande und zum Spott den ganzen langen Tag.
Ich sagte:
„Ich will nicht an ihn erinnert werden und nicht mehr in
seinem Namen sprechen.“ Doch in meinem Herzen war es wie ein
brennendes Feuer, es war in meinem Körper eingeschlossen.
Ich habe mich
bemüht, diese Spannung auszuhalten, aber ich konnte es nicht!
Ich hörte
das viele Gerede, von allen Seiten verbreiten sie Angst und Schrecken.
„Lasst uns ihn anzeigen und vor Gericht bringen!“
Sogar meine vertrauten Freunde lauern auf meinen Fall.
„Vielleicht lässt er sich verführen und wir
können ihn fangen und uns an ihm rächen!“
Doch der HERR ist
mit mir als ein starker Held, deshalb geraten meine Verfolger aus dem
Gleichgewicht und bezwingen mich nicht. Sie haben sich sehr blamiert,
denn es ist ihnen nicht gelungen. Diese Schmach bleibt ihnen ewig
unvergessen!
Der HERR aller
Gewalten prüft den Gerechten! Er sieht Nieren und Herz! Ich
werde deine Vergeltung an ihnen sehen, denn meine Rechtssache habe ich
vor dich gebracht.
Singt dem HERRN!
Lobt den HERRN! Denn er hat das Leben des Armen aus der Hand der
Verbrecher gerettet.
Liebe Gemeinde!
Zwei Zeitzeugen von Katastrophen und unendlichem Leid stehen heute im
Mittelpunkt dieses Gottesdienstes. Da ist Jeremia, ein Prophet, der den
Untergang seines Landes nicht nur hat kommen sehen, sondern auch
erlebt. Immer wieder hat er seinen leichtfertigen König und
dessen Regierung zur Besonnenheit und zur Umkehr zu Gott gemahnt. Er
hat vor der drohenden Kriegsgefahr und den Untergang seines Volkes
gewarnt. Es war vergeblich. Er musste es erleben, das die Babylonier
Juda und Jerusalem eroberten und viele der Bewohner nach Babylon
verschleppen. Jahrelang hat man Jeremia verspottet, man hat ihm nach
den Leben getrachtet. Er war gefangen, Freunde hatten sich von ihm
abgewandt. Jeremia gilt als der Leidensprophet der Bibel. Das nach ihm
benannte Buch berichtet von seiner Entführung nach
Ägypten. Dort soll er später gesteinigt worden sein.
Immer wieder hat Jeremia lauthals sein Leid geklagt. Er wollte kein
Prophet sein, doch Gott selbst hat ihn dazu gezwungen. Ich sagte: „Ich will nicht an ihn
erinnert werden und nicht mehr in seinem Namen sprechen.“
Doch in meinem Herzen war es wie ein brennendes Feuer, es war in meinem
Körper eingeschlossen.
Der andere Zeitgenosse einer katastrophalen Zeit ist der Liederdichter
Paul Gerhardt. In seiner Zeit wütete der
Dreißigjährige Krieg. Früh verlor er seine
Eltern. Er erlebte Hunger und Seuchen. Seine Heimatstadt
Gräfenhainichen wurde von schwedischen Soldaten
völlig zerstört. Er heiratete nach dem Krieg. Vier
seiner fünf Kinder verstarben früh. Um seine Frau hat
er sehr getrauert. In kirchenpolitischen Auseinandersetzungen hat er
seine Stelle in Berlin verloren. Menschliches Leiden ist ihm nicht
fremd gewesen. Doch statt sich dagegen aufzulehnen wie der Prophet
Jeremia sieht Paul Gerhardt auch in einem harten Schicksal die
Güte Gottes: „Willst
du mich kränken, mit Galle tränken, und soll von
Plagen ich auch was tragen, wohlan, so mach es, wie dir es beliebt. Was
gut und tüchtig, was schädlich und nichtig meinem
Gebeine, das weißt du alleine, hast niemals keinen zu sehr
noch betrübt.
Kreuz und Elende,
das nimmt ein Ende; nach Meeresbrausen und Windessausen leuchtet der
Sonnen gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle und
selige Stille wird mich erwarten im himmlischen Garten; dahin sind
meine Gedanken gericht'.“ (EG 449,11+1). So
lautet der Schluss eines bekannten Morgenchorals: „Die güldne Sonne voll
Freud’ und Wonne“. Man muss
überhaupt die Lieder Paul Gerhardt bis zum Ende lesen oder
besser singen, um sie zu verstehen. Da wird die wunderschöne
Schöpfung Gottes besungen, aber auch Erfahrungen von schweren
Schicksalsschlägen und Leid beschrieben. Und immer begegnen
wir zum Schluss dieser Lieder dieser großartigen Hoffnung: „Das weiß
ich fürwahr und lasse mir's nicht aus dem Sinne gehn:
Christenkreuz hat seine Maße und muss endlich stillestehn.
Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein;
also wird auch nach der Pein, wer's erwarten kann, erfreuet. Alles Ding
währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.“ (EG
325,9: aus Sollt ich
meinem Gott nicht singen). Es ist schon erstaunlich: Nur
fünf Jahre nach diesem schrecklichen
Dreißigjährigen Krieg dichtet Paul Gerhardt wohl das
schönste und bekannteste Lied der deutschen Dichtkunst: „Geh aus mein Herz und
suche Freud“. Da beschreibt er die
Schönheit der irdischen Natur. Doch sie ist für ihn
nichts anderes als ein schwaches Spiegelbild des kommenden Paradieses.
Auch dieses Lied muss bis zum Schluss gesungen werden, um recht
verstanden zu sein. Da hat Paul Gerhardt das Paradies vor Augen. Das
gibt ihm die Kraft, auszuhalten, das Leiden zu ertragen und einem
„Großen Kurfürsten“ von
Brandenburg den Gehorsam unter ein unrechtes Dokument zu verweigern.
Auch Paul Gerhardt hat wie die Propheten den Mächtigen dieser
Weg Kritisches zu sagen gehabt: „Laß
mich mit Freuden ohn alles Neiden sehen den Segen, den du wirst legen
in meines Bruders und Nähesten Haus. Geiziges Brennen,
unchristliches Rennen nach Gut mit Sünde, das tilge geschwinde
von meinem Herzen und wirf es hinaus.
Menschliches
Wesen, was ist's gewesen? In einer Stunde geht es zugrunde, sobald das
Lüftlein des Todes drein bläst. Alles in allen
muß brechen und fallen, Himmel und Erden die müssen
das werden, was sie vor ihrer Erschaffung gewest.“ (EG
449, 6+7) Das dichtet Paul Gerhardt im gleichen Jahr, als ihn der
reformierte Kurfürst Friedrich Wilhelm seines Amtes als
Pfarrer enthebt. Doch Gott
selbst ist seine Krone, die ihn lenken und führen soll.
(EG 449,9) Und es hat schon viel Zeitloses an sich, wie Paul Gerhardt
das geizige Brennen und unchristliche Rennen nach Gut mit
Sünde beobachtet.
Zwei unterschiedliche Glaubenszeugen aus verschiedenen Zeiten begegnen
uns heute mit Jeremia und Paul Gerhardt. Beide sind Menschen, die viel
Leid tragen mussten, aber zugleich Menschen mit unterschiedlichen
Hoffnungen und Horizonten. Offen gestanden ist mir der Prophet Jeremia
oft näher, der zu seiner Ungeduld steht und Gott ganz offen
und laut sein Leid klagt. Auch sind mir die Psalmen näher als
manche Kirchenlieder, welche die Klage zu früh wie mit einem
Topfdeckel zudecken. Bei Jeremia und den Psalmen lernen wir, dass wir
Gott gegenüber das Leid klagen dürfen bis hin zum
Verzweiflungsruf: „Mein
Gott, warum hast du mich verlassen!“ (Psalm
22,1) Wir dürfen unseren Zweifel und unsere Verzweiflung
zulassen, um wieder neues Vertrauen zu gewinnen. Gott hat ein unendlich
großes Herz!
Von Paul Gerhardt lernen wir dann, dass wir bei der Klage nicht stehen
bleiben dürfen. Vielleicht hat er ja Recht, dass das Leiden
den Sinn hat, uns zum himmlischen Vater und zur Erlösung zu
führen. (EG 325,8). Am Ende erwartet uns der herrlich
schöne Garten Gottes.
Wird's aber sich
befinden, daß du ihm treu verbleibst, so wird er dich
entbinden, da du's am mindsten glaubst; er wird dein Herze
lösen von der so schweren Last, die du zu keinem
Bösen bisher getragen hast.
Wohl dir, du Kind
der Treue, du hast und trägst davon mit Ruhm und Dankgeschreie
den Sieg und Ehrenkron; Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte
Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt.
(aus EG 361, 10+11: Befiehl du deine Wege)
Noch eines haben Jeremia und Paul Gerhardt gemeinsam: Auch der Prophet
kommt nach seinem Klagen wieder zum Loben und Singen: Singt dem HERRN! Lobt den HERRN!
Wer singen und loben, der gewinnt neue Kraft gegen das
Leid. Kanzelsegen! Amen
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GANG
DES GOTTESDIENSTES IN ESCHERODE AM 11. März 2007
ORGELVORSPIEL
BEGRÜSSUNG
WOCHENSPRUCH:
Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist
nicht geschickt für das Reich Gottes. Lk
9,62
EG 449, 1-4+8+12: Die güldne Sonne
25. PSALM EG-NR.: 713
EHR` SEI DEM VATER ..
KYRIE
SEGENSGRUSS
TAGESGEBET nach Paul Gerhardts „Zieh ein zu deinen
Toren“:
Zieh ein in dein Haus, sei meines Herzens Gast. Du hast uns neu
geboren, du heiliger Geist des Vaters und des Sohnes. Mit beiden beten
wir dich an.
Zieh ein in unsere Herzen, lass uns deine Kraft empfinden, die Kraft
die uns von Sünden Hilfe und Errettung schafft.
Endsündige unsere Sinne, damit wir dir mit reinem Geist
dienen. Amen
ALTTESTAMENTLICHE LESUNG: Jeremia 20,7-11a (11b-13) Die Last des
Prophetenamtes
EG 351, 1-3+11-13: Ist Gott für mich
EVANGELIUM: Lk 9,57-62 Jesus ruft in die Nachfolge
GLAUBENSBEKENNTIS
EG 370, 1+4+8+11+12: Warum sollt ich mich denn grämen
PREDIGT über Jeremia 20,7-11a (11b-13) Die Last des
Prophetenamtes
EG 36, 3+4+7+12: aus Fröhlich soll mein Herze springen
FÜRBITTENGEBET
Herr, unser Gott. Zu häufig denken wir, dass wir unser Leben
allein meistern und alle Probleme der Welt selbst bewältigen
können. Dabei bist du doch unser himmlischer Vater und
Heiland. Du kommst uns zur Hilfe.
Wir singen: EG 58, 18: Lass ferner dich erbitten...
FÜRBITTENGEBET
Oft sind wir ungeduldig und können nicht verstehen, dass alles
Wachstum und gute Heilung ihre Zeit braucht. Dabei
übersehen wir die vielen kleinen Wunder des Alltags, die du
für uns tust.
Wir singen: EG 58, 9: Gib mir und allen denen
FÜRBITTENGEBET
Auf der Erde gibt es so viel Krieg und Gewalt. Deine Schöpfung
ist bedroht. Menschen Rat erweist sich immer wieder als vergeblich. Du
allein kannst helfen!
Wir singen: EG 58, 10: Schließ zu die Jammerpforten
FÜRBITTENGEBET
Du hast uns unser Leben geschenkt, damit wir den Weg durch diese Welt
in dein Reich finden. Lass uns immer deinen guten Segen spüren.
Wir singen: EG 58, 11: Sprich deinen milden Segen zu allen unsern
Wegen...
FÜRBITTENGEBET
Lass allen Menschen dein Licht leuchten: den Einsamen und Verzagten,
den Menschen, die sich von dir abgewandt haben und den Menschen, die im
Dunkeln und Schatten ihr Dasein fristen müssen.
Wir singen: EG 58, 12: Sei der Verlassnen Vater...
FÜRBITTENGEBET
Wir bitten dich für die kranken Menschen aus unserer Gemeinde,
aus unseren Familien, aus unserem Bekanntenkreis. Wir bitten dich auch
für die Menschen, die mit sich selbst nicht klar kommen.
Wir singen: EG 58, 13: Hilf gnädig allen Kranken
FÜRBITTENGEBET
Wir bitten dich für uns selbst. Erfülle unsere Herzen
mit deinem Geist, damit unser Leben ein ganzer Gottesdienst sei. Hilf
uns, dass unser Leben zu deiner Ehre und zum Wohl unserer Mitmenschen
geschehe.
Wir singen: EG 58, 14: Und endlich, was das meiste
Stille Zeit
VATERUNSER
EG 85, 5-8: aus O Haupt voll Blut und Wunden
ABKÜNDIGUNGEN
SENDUNG UND SEGEN
ORGELNACHSPIEL
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GANG DES GOTTESDIENSTES IN NIESTE AM AM 11. März 2007
ORGELVORSPIEL
BEGRÜSSUNG DER KINDER UND DER GEMEINDE
ANZÜNDEN DER KINDERGOTTESDIENSTKERZE AN DER OSTERKERZE
„Christus spricht: ‚Ich bin das Licht der
Welt!’“ und er sagt auch: ‚Wo Menschen in
meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.’
Wo Menschen in seinem Namen versammelt sind, da ist Licht. Deshalb
zünden wir diese Kindergottesdienstkerze an, weil Jesus
Christus unter uns ist, das Licht der Welt!“
EG 447, 1+2+7: Lobet den Herren
25. PSALM EG-NR.:713
EHR` SEI DEM VATER ..
KYRIE
SEGENSGRUSS
TAGESGEBET wie oben
EG 37, 1+2: Ich steh an deiner Krippen hier
TAUFE
Segensgruß
Taufbefehl: Matth. 28,18-20 + Joh. 3,16
Gebet
Fragen an Eltern und Paten
Kinderevangelium
(bitte nach dem „Kinderevangelium: „Und sie
brachten Kinder zu Jesus ... und er herzte sie, legte die
Hände auf sie und segnete sie“ zum VATERUNSER
läuten)
Vaterunser
Glaubensbekenntnis
Taufhandlung
Überreichen der Taufkerze
Gebet und Familiensegnung
EG 351, 1-3+11-13: Ist Gott für mich, während des
Liedes:
AUSZUG DER KINDER; FORTSETZUNG DES KINDERGOTTESDIENSTES im
Willi-Scarl-Gemeindehaus
ALTTESTAMENTLICHE LESUNG: Jeremia 20,7-11a (11b-13) Die Last des
Prophetenamtes
KIRCHENCHOR: DU MEINE SEELE SINGE
EVANGELIUM: Lk 9,57-62 Jesus ruft in die Nachfolge
KIRCHENCHOR: NUN DANKET ALL
WEITER WIE IN
ESCHERODE s.o.
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