Liebe Gemeinde!
Die Geschichte von Josef und seinen Brüdern ist besondere geniale
Weltliteratur. Eine doppelt spannnende Geschichte! Die Handlung ist spannend
und auch die Psychologie: Wie gehen Menschen miteinander um?
Da ist der Neid auf den anderen! Aus Neid erwächst Haß!
Aus dem Haß entsteht die böse Tat, das Verbrechen! Wahrscheinlich
wollten die Brüder am Anfang dieses furchtbare Verbrechen nicht begehen,
doch dann war der Haß stärker. Im Zweiten Weltkrieg sind kultivierte
Menschen zu Bestien geworden. Familienväter haben im Krieg vergewaltigt
und gemordet. Der Haß hatte aus Menschen wilde Tiere gemacht! Im
Kosovo hat sich in diesen Monaten diese furchtbare Geschehen wiederholt:
Menschen lassen ihren Haß überkochen und werden zu wilden Bestien.
Die Massengräber, die man in diesen Tagen gefunden hat, klagen an!
Aus Neid und Haß haben die eigenen Brüder Josef in die Sklaverei
verkauft. Josef erlebt und erleidet schlimme Abenteuer. Doch dank der Hilfe
Gottes macht er Karriere: Josef wird Vizekönig von Ägypten. Durch
eine Hungersnot in ihrer Heimat müssen die Brüder ausgerechnet
bei ihm Nahrungsmittel kaufen. Josef könnte sich nun rächen,
doch statt dessen läßt er die ganze Sippe mit dem Vater nach
Ägypten kommen. Warum nimmt der Josef keine Rache? Warum zahlt er
es den Brüdern nicht heim? Ach ja, da ist noch der alte Vater Jakob.
Solange Jakob noch lebt, wird Josef seinen Brüdern nichts antun!
Doch jetzt ist der Vater tot; jetzt gibt es nichts mehr, was Josef
von seiner Rache abhalten kann. Rache ist süß! In Ägypten
gibt es viele Bergwerke, wo die Brüder nun als Arbeitssklaven schuften
könnten. Oder sollte Josef gleich den Henker rufen lassen? Nichts
kann Josef mehr zurückhalten! So denken die Brüder. So denken
doch die meisten Menschen: Böses muß gerächt werden!
Aber Josef ist anders! Er ist seinen Brüdern haushoch überlegen.
Ich meine nicht seine Macht als Vizekönig! Ich meine seine seelische
Größe. Josef ist eine ganz große Persönlichkeit!
Er sagt nämlich NEIN! zu kleinlicher Rache und zur böses Vergeltung!
Josef kann, was die meisten Leute nicht können: Josef kann vergeben!
Seine seelische und geistliche Größe hat er von Gott. Seine
Dankbarkeit hat ihn so groß gemacht! Josef hat nichts vergessen:
weder das Böse noch das Gute! Ihm ist schlimmes angetan worden und
er hat im tiefsten Dreck gelegen. Doch Gott hat ihm zu höchster menschlicher
Würde erhoben. Er ist Vizekönig von Ägypten, ein mächtiger
Mann, doch immer noch steht er unter seinem Gott! Gott hat das Böse
zum Gute gewendet, weil er viele Völker am Leben erhalten will!
In diesem Jahr feiern wir das fünfzigjährige Bestehen der
Bundesrepublik Deutschland. Wir können dankbar sein, wie sehr doch
das Böse des Zeiten Weltkrieges zum Guten gewandelt worden ist. Aus
dieser Dankbarkeit heraus sollten wir alles tun, was dem Frieden dient.
Die Josefsgeschichte zeigt es ganz klar: Der Friede beginnt im persönlichen
Bereich: in den Familien, bei den Nachbarn, bei den Arbeitskollegen. Wer
dankbar ist, der braucht nicht neidisch zu sein. Wer dankbar ist, kennt
keinen Haß! Wer dankbar ist, hat nachgedacht und weiß, wie
sehr Gott das Gute für seine Menschenkinder will.
Kanzelsegen! Amen