Predigt über 2. Korinther 6, 1-10 am  Sonntag Invokavit, den 12. März 2006 in Escherode und Nieste

Predigttext: Als Mitarbeiter von Jesus Christus bitten wir euch: „Lasst nicht zu, dass ihr die Gnade Gottes vergeblich empfangen habt!“ Denn Gott sagt: „In der guten Zeit war ich es, der ich dich erhört habe, und am Tag der Heilung war ich es, der ich dir geholfen habe!“ Habt acht: Jetzt ist die Zeit der Gnade gekommen! Jetzt ist der Tag der Heilung da!
Niemanden geben wir auch nur den geringsten Anlass zur Kritik, damit unser Dienst nicht ins Lächerliche gezogen wird. In allem bewähren wir uns als Diener Gottes mit großer Ausdauer, bei Bedrängnissen, in Notlagen, trotz Ängsten, bei Schlägen, in Gefängnissen, in unruhigen Zeiten, durch Arbeit, trotz Schlaflosigkeit, durch Fasten.
Wir bewähren uns als Diener Gottes durch einen guten Ruf, in Erkenntnis, mit Geduld, mit Freundlichkeit, im Heiligen Geist, mit echter Liebe.
Wir bewähren uns als Diener Gottes mit dem Wort der Wahrheit und der Kraft Gottes!
Wir bewähren uns als Diener Gottes durch die Waffen der Gerechtigkeit in der rechten und der linken Hand.
Wir bewähren uns als Diener Gottes in rühmlichen und unehrenhaften Situationen, trotz übler Nachrede als Betrüger und bei gutem Lob als wahrhaftige Menschen.
Wir bewähren uns als Diener Gottes trotz übler Nachrede als Unwissende  und bei gutem Lob als Wissende.
Wir bewähren uns als Diener Gottes trotz übler Nachrede als Sterbende und bei gutem Lob – doch habt acht: wir leben!
Wir bewähren uns als Diener Gottes trotz übler Nachrede als bestrafte Menschen  und bei gutem Lob als nicht dem Tod verfallene Menschen.
Wir bewähren uns als Diener Gottes trotz übler Nachrede als traurige Gestalten und bei gutem Lob als immer fröhliche Leute.
Wir bewähren uns als Diener Gottes trotz übler Nachrede als armselige Geschöpfe  und bei gutem Lob als Menschen, die andere reich machen.
Wir bewähren uns als Diener Gottes in rühmlichen und unehrenhaften Situationen, trotz übler Nachrede als Leute, die nichts zu bieten haben und bei gutem Lob als Menschen, die alles haben.

Liebe Gemeinde!
Da hören wir: „Jetzt ist die Zeit der Gnade gekommen! Jetzt ist der Tag der Heilung da!“ Stimmt das? Von Jahr zu Jahr nimmt die Verunsicherung bei vielen Menschen in unserem Land zu. Meistens hat diese Verunsicherung wirtschaftliche oder finanzielle Gründe. Wer weiß, ob mein Arbeitsplatz noch sicher ist? Wer weiß, ob ich meinen Lebensstandard werde halten können. Jesus ist zu den Reichen und zu den Armen gekommen. Heilung erfährt der reiche Zöllner Zachäus, der schon lange an seiner Raffgier erkrankt war. Heilung erfahren die vielen armen Menschen, zu denen Jesus gekommen war. Sie alle erfahren einen neuen Sinn für ihr Leben. Heilung können auch wir erfahren, wenn Jesus Christus zu uns kommt.  „Jetzt ist die Zeit der Gnade gekommen! Jetzt ist der Tag der Heilung da!“ Es ist eine ewige Gnade: Gott ist in unserer Nähe! Auch unsere so schwierige Zeit soll Heilung erfahren!

Manche Heilung beginnt damit, dass man seine Lebenseinstellung ändert. Mein Lebensstandard - ist das alles? Meine Sicherheit – ist das alles? Jesus sagt: „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? - Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (Matthäus 6, 25+32+33). Natürlich sind Lebensstandard und persönliche Sicherheit wichtig, sie dürfen uns aber den Blick für das wichtigste nicht verstellen: das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit!

In guten Tagen lässt es sich leichter glauben und hoffen. In schweren Zeiten nagt schon einmal der Zweifel hier und da an unseren Glaubensvorsätzen. Es ist mit Glauben nicht anders als mit einer Ehe: Nicht zufällig wird bei einer Hochzeit gefragt, ob Eheleute in guten und in bösen Tagen einander lieben und ehren wollen, bis dass der Tod sie scheidet. Die Flitterwochen sind nach kurzer Zeit vorbei. Auch die Euphorie des Glaubens kann unmöglich ein Leben lang anhalten. Aber der Glaube will in guten und in bösen Tagen gleichermaßen gelebt sein. Jesus erzählt es selbst in seinem Gleichnis vom vierlei Acker, wie die Dornen von Reichtum und Sorgen die zarte Pflanze des Glaubens kaputt machen können. Wie Jesus in der Wüste vom Satan versucht wurde, so wird unser Glaube immer wieder versucht und in Frage gestellt: am meisten aber von uns selbst und unseren Ängsten und Sorgen.

Glaube ist auch ein Kampf um die Sichtweise: Der Glaube sagt: Es gibt immer einen, der stärker ist, als Deine Not! Es gibt einen, der wichtiger ist, als du selbst! Die Liebe sagt: Es gibt immer einen, dem es ähnlich schlimm oder noch schlimmer geht als dir. Mit einer neuen Sichtweise aber beginnt auch ein Heilungsprozess.

Am letzten Mittwoch, dem Aschermittwoch, hat die Passionszeit begonnen. Die Passionszeit will uns helfen, unseren Blick von selbst auf das Leiden Jesu zu lenken. Auch das gehört zu einer neuen Sichtweise dazu! Unser Glaube bekennt: Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen! Jesus hat auf jeden Lebensstandard und auf alle Sicherheit verzichtet. Er ist am Kreuz gestorben, und er ist von den Toten auferstanden. Seine Auferstehung will auch uns wirkliches Leben bringen.

Mit jedem Todesfall in unserem Umfeld erleben wir auch tiefes Leid. Doch was anderes gibt uns am offenen Grabe Hoffnung als die Auferstehung Jesu von den Toten? Jesus Christus lebt, und wir sollen auch leben! Deshalb hoffen wir für uns selbst, dass wir in Ewigkeit leben sollen. Wir hoffen auf die Auferstehung und sehen den Preis, den Jesus Christus für einen neuen Himmel und eine neue Erde bezahlt hat: nämlich sein Sterben am Kreuz. So verbindet die Hoffnung auf die Auferstehung uns mit dem Leiden und Sterben Jesu.

Und Hoffnung ist das, was wir heute brauchen! Ich möchte in die Passionszeit gehen, weil ich Hoffnung habe. Das Leiden Jesu hat einen Sinn habt, während das Leiden vieler Menschen oft so sinnlos ist. Der Tod Jesu hat einen Sinn gehabt, weil er zum neuen Leben führt. Wie viele Menschen sind dagegen einen sinnlosen Tod gestorben. Wenn wir in dieser Zeit das Leiden Jesu uns vor Augen halten, dann werden wir sehen, wie sehr Gott uns Menschen in unserem Leiden verstehen kann! Wir werden entdecken, dass Jesus Christus auch heute noch auf der Seite der Kranken und Leidenden zu finden ist. Die Erinnerung an das Leiden Jesu kann uns helfen, das eigene Leiden zu ertragen. Sein Leiden und sein Tod am Kreuz sind mit einer Hoffnung verbunden. Wie Gott seinen gekreuzigten Sohn vom Tod errettet hat, so wird er auch uns von den Toten auferwecken. Er wird uns trösten, wie einen seine Mutter tröstet! Er wird die Tränen abwischen von unseren Augen!

Natürlich leben wir auch trotz unserer Hoffnung und unseres Glaubens weiterhin in einer Welt voller Widersprüche! Natürlich haben wir auch trotz unseres Gottvertrauens weiterhin Ängste und Sorgen. Aber hat nicht auch Jesus im Garten Gethsemane voller Angst geweint? Brauchte nicht auch er den Trost, den ihm die Engel Gottes gebracht haben? Wir leben weiterhin in einer Spannung zwischen gut und böse, zwischen Gottesnähe und Gottesferne! Die gleichen Widersprüchlichkeiten, die wir erleben, empfinden andere Menschen auch an uns. Im Predigttext haben wir gehört, wie widersprüchlich der große Apostel auf seine Mitmenschen gewirkt hat. Auch Christen müssen es sich gefallen lassen, dass man bei ihnen Fehler und Schwächen findet.

Die Passionszeit ist eine einzige Einladung zur Nachfolge! Jesus sagt auch noch heute: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst  und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach!“ Unser Kreuz ist anders aus als das Kreuz der Christen im Altertum oder im Mittelalter. Unser Kreuz ist es, dass wir die Widersprüche und Widersprüchlichkeiten unserer Zeit ertragen und trotzdem Christen bleiben. Trotz allem lasst uns am Gottvertrauen und an der Hoffnung festhalten. Kanzelsegen! Amen

GANG DES GOTTESDIENSTES IN ESCHERODE UND NIESTE AM 5. März 2006

ORGELVORSPIEL
BEGRÜSSUNG
WOCHENSPRUCH:
Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre.   1.Joh 3,8

EG 441, 1-5: Du höchstes Licht, du ewger Schein 

91 . PSALM EG-NR.: 736

EHR` SEI DEM VATER ..
KYRIE
SEGENSGRUSS
TAGESGEBET
Allmächtiger Gott, du hast uns deinen Schutz zugesagt. Wir bitten dich: Bleibe bei uns, wenn wir in Not geraten. Gib uns Halt an deinem Wort - wie Jesus, deinem Sohn, unserem Bruder.

EPISTEL: 2.Kor 6,1-10 In allen Nöten erweisen wir uns als Diener Gottes

EG 362, 1-4: Ein feste Burg ist unser Gott 

EVANGELIUM: Mt 4,1-11 Die Versuchung Jesu

GLAUBENSBEKENNTIS

EG 365, 1-3+6+7: Von Gott will ich nicht lassen 
   
PREDIGT über 2.Kor 6,1-10 In allen Nöten erweisen wir uns als Diener Gottes

EG 347, 1-4: Ach bleib mit deiner Gnade 

FÜRBITTENGEBET
Unser Weg hat eine neue Richtung, weil du, Gott, uns in Jesus Christus begegnet bist. Darum bitten wir dich für Menschen, die kein Ziel haben, daß sie ihren Weg finden, für Zweifelnde, daß sie entschiedene Schritte tun können, für allzu Sichere, daß sie nachdenklich werden, für Grübler, daß sie sich nicht verrennen.
Wir sind nicht allein, weil Jesus ein Mensch war wie wir, versucht und gefährdet. Darum bitten wir dich, daß wir die verstehen, die in Gefahr sind, am Leben zu scheitern: Kinder, die ohne Liebe aufwachsen, Jugendliche, die keinen eigenen Platz in unserer Welt finden, arbeitsunfähige Menschen, die sich überflüssig vorkommen. Du bist ihre Zuflucht.
Wir können gegen Mißbrauch der Macht angehen, weil Jesus sich den Verlockungen der Macht widersetzte. Darum bitten wir dich um Mut zum Widerstand und Geduld im Leiden für alle, die Unrecht aufdecken und ihm widerstehen, die sich der Macht nicht beugen und auf Gewalt verzichten.
Du wirst uns beschützen, dir verdanken wir Weg und Ziel.


Stille Zeit

VATERUNSER

EG 79, 1-4: Wir danken dir, Herr Jesu Christ

ABKÜNDIGUNGEN
Zweck der heutigen Kollekte: EigGem.
Nächste Gottesdienste: 12.3.06, 17 Uhr inNhgn, 18 Uhr in Nieste
19.3.06, 9:30 in Esch
Wichtige Veranstaltungen:


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