Kanzelgruß
Predigttext: Salomo stellte sich vor dem Altar des HERRN gegenüber
der ganzen Versammlung von Israel. Er breitete seine offenen Hände
zum Himmel aus. Er sprach: „HERR, du Gott Israels! Es gibt keinen Gott
wie du: weder oben im Himmel noch unten auf Erden! Kein Gott achtet wie
du den Bund und die Treue gegenüber deinen Dienern. Mit ganzem Herzen
kommen sie vor dein Angesicht! Den Bund und die Treue gegenüber deinem
Knecht David, meinem Vater, hast du beachtet. So hattest du ihm versprochen.
Wie du mit deinem Mund gesprochen hattest, so hat deine Hand es heute erfüllt!
Und jetzt HERR, du Gott Israels, beachte, was du deinem Diener David, meinem
Vater, versprochen hast: ´Es wird kein Mann aus deiner Nachkommenschaft
fehlen, der auf dem Thron Israels sitzt. Deine Söhne sollen nur darauf
achten, daß sie auf den (gleichen) Wegen vor mir gehen, auf welchen
du vor mir gegangen bist!` Und jetzt laß wahr werden, was du
deinem Diener David, meinem Vater, versprochen hast!
Wohnt Gott wirklich auf der Erde? Ach, die Himmel und die Himmel der
Himmel können dich nicht umfassen! So kann auch niemals dieses Haus
dich umfassen, das ich dir gebaut habe. Wende dein Angesicht dem Beten
deines Knechtes und seinem Flehen zu, HERR, du Gott Israels, damit du das
Schreien und das Gebet hörst, welches dein Diener vor dich heute bringt.“
Liebe Gemeinde!
Politik ist ein schmutziges Geschäft! Das wissen wir alle nur
zu gut. Besonders schlimm ist es, wenn mit der Religion oder mit religiösen
Gefühlen Geschäfte gemacht werden. „Du sollst den Namen des Herrn
deines Gottes nicht unnützlich führen!“ So lautet das zweite
Gebot. Nicht zufällig steht dieses Gebot an zweiter Stelle. Zu allen
Zeiten wurde die Religion zu politschen Zwecken mißbraucht.
Heute erleben wir, wie im Orient verschlagene Politiker die religiösen
Gefühle der Moslems und der Juden mißbrauchen, um die Kriegsstimmung
anzuheizen. Eine serbische Kirche läßt sich für nationale
Gefühle mißbrauchen. Der Westen entdeckt die moralischen Menschenrechte,
für die er anderswo keine Bomben geworfen hatte. „Du sollst den Namen
des HERRN deines Gottes nicht unnützlich führen, denn der HERR
wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht!“
Es hat schon mit Politik zu tun, wenn ein Politiker eine große
Kirche oder einen Tempel baut! In Lima und in Mexiko sind der Palast des
spanischen Vizekönigs und die Kathedrale wunderbar nebeneinander gelegen!
Der Staatsgründer des neuen Reiches, der König David wollte auch
schon in der Nähe seines Palastes einen schönen Tempel bauen.
Doch es gab noch zuviel Widerstand. Und damals fand sich ein mutiger Prophet,
der David im Namen Gottes ins Gewissen sprach. Sein Sohn Salomo war da
weniger zimperlich. Er hatte Beziehungen in alle Welt. Überall hatten
die Herrscher einen Tempel, in denen der Staatsgott und sie selbst verehrt
wurden. Dank seiner diplomatischen Beziehungen kann er überall edelstes
Baumaterial zusammenkaufen. Um die Bevölkerung zu kontrollieren, baut
er eine Festung nach der anderen. Ein imposantes Bauwerk entsteht da in
Jerusalem! Großartig anzusehen! Etwa 900 Jahre später wird der
König Herodes den Zweiten Tempel an gleicher Stelle bauen lassen.
Auch so ein großes Bauwerk zur Ehre Gottes und zur Ehre des Tyrannen!
Das Johannesevangelium erzählt, wie die Politiker des Hohen Rates
zu Jerusalem beschließen, Jesus zu töten. Und da hat einer einen
Lichtblick. Er meint es zwar böse, doch seine Aussage ist gut: „Es
ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als daß
das ganze Volk zugrunde geht.“ Und Johannes kommentiert es so: „Das sagte
er nicht aus sich heraus, sondern .. aus prophetischer Eingebung.“
Dieser geschickte und verschlagene Machtpolitiker, der König Salomo,
ist nun endlich am Ziel. Das Volk hat er unter Kontrolle gebracht, nun
will er auch die Religion unter Kontrolle bringen. Doch da meldet sich
auch bei ihm die Stimme seines Gewissens. Auch er hat eine prophetische
Eingebung: „Kann ich Gott denn wirklich in diesen Goldenen Käfig eines
Tempels einsperren? Es gibt keinen Gott wie du: weder oben im Himmel noch
unten auf Erden! ... Wohnt Gott wirklich auf der Erde? Ach, die Himmel
und die Himmel der Himmel können dich nicht umfassen!“ Der weise König
Salomo ist weise genug, um zu erkennen, daß alles menschliche Wollen
seine Grenzen hat. Wir Menschen können nicht über Gott verfügen!
Wir können Gott nicht in einen Goldenen Käfig einsperren und
dann tun und lassen, was wir wollen. Wir können Gott auch nicht für
unsere Interessen mißbrauchen.
Wir feiern heute Himmelfahrt! Diese Burgruine Sichelnstein hat eine
lange Geschichte hinter sich. Diese Ruine lehrt uns, daß alles seine
Grenzen hat und vergänglich ist! Wir feiern unter freiem Himmel. Der
freie Himmel ist auch ein heiliges Gotteshaus. Gott ist überall zuhause:
In unseren Kirchen und überall im Himmel und auf der Erde. Wichtig
ist, daß er auch in unseren Häusern und in unseren Herzen zuhause
ist.
Wir feiern Himmelfahrt! Himmelfahrt und Weihnachten sind eigentlich
dasselbe: beide Male sprengt Gott die Grenzen. Weihnachten kommt Gott zu
den Menschen, indem er ein Mensch wird. Weihnachten singen wir: „Es ist
ein Ros` entsprungen“. Wir singen in diesem Lied: „Wahrer Mensch und wahrer
Gott, hilft uns aus allem Leide, rettet von Sünd` und Tod.“
Nicht weit von hier liegt das Städtchen Uslar. In der dortigen Kirche
befindet sich ein großartiges Altarbild aus dem 16. Jahrhundert.
Es ist sehr kostbar: Holzschnitzereien mit sehr viel Blattgold und vielen
Farben. Es zeigt Szenen aus dem Leben Jesu: von Weihnachten bis hin zur
Himmelfahrt Jesu. In diesem Altarbild ist ein Material verarbeitet, welches
nur bei zwei Szenen vorkommt. Es ist ein grünlicher Stein, während
ja sonst alles aus Holz oder Gold ist. Dieser grünliche Stein wird
im Weihnachtsbild verwendet. Dort zeigt er die Grotte, welche den Stall
von Bethlehem mit dem neugeborenen Christkind, der Heiligen Familie und
den Tieren darstellt. Der gleiche grünliche Stein wird in der Himmelfahrtsszene
verwendet.Er ist der Felsen, von welchen Jesus zum Himmel aufgefahren ist.
Man sieht nur den grünlichen Felsen mit zwei Fußabdrucken und
den nach oben schauenden und staunenden Jüngern. Damit wollte der
Schöpfer etwas zum Ausdruck bringen: Weihnachten und Himmelfahrt haben
sehr viel miteinander zu tun. Sie sind wie zwei Seiten einer Medaille.
Weihnachten feiern wir die Ankunft des Heilandes in dieser Welt, die Menschwerdung
Gottes. Mit Himmelfahrt feiern wir die Göttlichkeit Jesu Christi,
unseres Herrn.
Weihnachten sprengt Gott die Dimensionen der geistlichen Welt. Er wird
ein Mensch aus Fleisch und Blut. Gott ist auf Erden zuhause, besonders
dort, wo Not und Elend sind. Himmelfahrt sprengt Gott die Dimensionen der
irdischen Welt: Der wahre Mensch Jesus Christus ist auch der wahre Gott,
der auch im Himmel zuhause ist.
Lukas berichtet, wie die Jünger nach oben schauen. Damit schauen sie auch über ihren eigenen Tellerrand hinweg! Das will uns heute das Fest von Himmelfahrt lehren: Auch wir sollen über unseren Tellerrand hinwegblicken. Dann werden wir überall die Spuren Gottes entdecken: in der schönen Natur, auf den Gesichtern unserer Mitmenschen und hoffentlich auch in unseren Herzen. Gott ist eben überall zuhause! Der gleiche Gott, der im Himmel wohnt und das Universum beherrscht, will auch in unseren Herzen wohnen und unsere Gedanken und Wege lenken. Wir feiern Himmelfahrt, weil Jesus eben nicht nur im Himmel, sondern überall ist. Er will bei uns bleiben, bis an der Welt Ende!
Kanzelsegen! Amen